Leider hielt die frohe Stimmung der Familie nicht lange an. Schon am nächsten Tage verfeindete sich Aglaja mit dem Fürsten, versöhnte sich dann zwar wieder mit ihm, doch – auf wie lange? Am anderen Tage begann sie von neuem zu streiten. Oft machte sie sich stundenlang über ihn lustig und stellte ihn fast als Narren hin, oft aber saßen sie wiederum stundenlang in der Laube des Blumengartens ihrer Villa, doch konnten die anderen dann immer nur sehen, daß der Fürst ihr fast die ganze Zeit aus irgendeinem Buch oder einer Zeitung vorlas.

„Wissen Sie,“ unterbrach ihn Aglaja einmal beim Zeitunglesen, „es ist mir aufgefallen, daß Sie entsetzlich ungebildet sind: nichts wissen Sie genau, wenn man Sie etwas fragt, weder wer es gerade war, noch genau in welchem Jahre, noch nach welchem Vertrag oder Friedensschluß. Sie sind ein sehr kläglicher Mensch.“

„Ich habe Ihnen gesagt, daß ich nicht gelehrt bin,“ antwortete der Fürst einfach.

„Was ist denn eigentlich an Ihnen? Wie kann ich Sie dann noch achten? Lesen Sie weiter. Doch nein, nicht nötig, hören Sie auf!“

Am Abend dieses Tages geschah ihrerseits wiederum etwas sehr Sonderbares, daß allen ein Rätsel aufgab. Fürst Sch. war aus Petersburg gekommen und Aglaja war sehr freundlich zu ihm, sie fragte ihn sogar nach Jewgenij Pawlowitsch. (Fürst Lew Nikolajewitsch war noch nicht erschienen.) Da machte Fürst Sch. ganz harmlos die Bemerkung, daß „im Hinblick auf das Bevorstehende“ Adelaidas Hochzeit wohl wieder hinausgeschoben werden müsse, damit beide Trauungen an einem Tage stattfänden. Kaum aber hatte er es ausgesprochen, als plötzlich Aglaja purpurrot wurde und sich heftig „alle diese dummen Vermutungen“ verbat, sie habe durchaus nicht die Absicht, irgendwelche Mätressen durch ihre Person zu ersetzen.

Diese Bemerkung stieß natürlich alle Anwesenden furchtbar vor den Kopf. Lisaweta Prokofjewna war zuerst sprachlos, bestand aber dann später, als sie sich mit ihrem Mann unter vier Augen befand, bedingungslos auf einer ernsten Aussprache mit dem Fürsten betreffs Nastassja Filippowna, was Iwan Fedorowitsch als Vater einfach für seine Pflicht ansehen müsse.

Iwan Fedorowitsch schwor bei allem, was ihm heilig war, daß es wohl nur ein „unbegründeter Ausfall Aglajas gewesen und einzig auf ihre Verlegenheit zurückzuführen“ sei; daß sie, wenn Fürst Sch. nicht diese Anspielung gemacht hätte, nie und nimmer so etwas gesagt haben würde, denn sie wisse es selbst nur zu gut, daß dieses ganze Gerücht nichts als eine Verleumdung von seiten ihnen übelwollender Leute sei und daß Nastassja Filippowna Rogoshin heiraten werde; daß der Fürst in der Beziehung nichts mit ihr zu schaffen habe – derlei könne man ihm weder jetzt nachsagen, noch habe man es früher jemals sagen können: „von diesen Dingen liegt nichts, aber auch nichts zwischen ihnen vor, wenn du nun schon einmal die ganze Wahrheit wissen willst.“

Fürst Lew Nikolajewitsch selbst ließ sich durch nichts verwirren und fuhr fort, ungetrübt selig zu sein. Oh, auch er bemerkte mitunter etwas gleichsam Düsteres und Ungeduldiges in Aglajas Augen, doch nachdem er einmal an sie zu glauben begonnen, konnte diesen Glauben nichts mehr erschüttern. Vielleicht aber war er dennoch etwas gar zu ruhig; wenigstens äußerte sich auch Hippolyt in dem Sinne, als er ihm einmal zufällig im Park begegnete.

„Na, hab’ ich damals nicht recht gehabt, als ich Ihnen sagte, daß Sie verliebt seien?“ begann er ohne weiteres, indem er auf den Fürsten zutrat und ihn aufhielt.

Der Fürst reichte ihm die Hand und gratulierte zum „guten Aussehen“. Hippolyt sah in der Tat viel wohler aus, was ja bei Schwindsüchtigen bekanntlich oft vorkommt.