„War es nicht derselbe Pawlischtscheff,“ unterbrach ihn der „Würdenträger“, „von dem man sich einmal etwas ... Seltsames erzählte, irgendeine Geschichte mit einem Abbé ... Abbé ... der Name fällt mir im Augenblick nicht ein, nur war einmal von ihm die Rede, von ihm und einem Abbé ...“ Der „Würdenträger“ runzelte nachdenkend die Stirn.

„Abbé Gourot, den Jesuiten meinen Sie?“ half ihm Iwan Petrowitsch, und fuhr dann langsam fort:

„Tja! Das ist nun die Kehrseite unserer ehren- und aller Achtung werten Landsleute! Denn Pawlischtscheff war doch immerhin ein geborener A–ris–tokrat, wohlhabend, Kammerherr, und wenn er ... im Dienst geblieben wäre ... Aber da muß er plötzlich austreten und alles an den Nagel hängen, um zum Katholizismus überzutreten und Jesuit zu werden, und das noch so gut wie offiziell! In einem Anfall von Begeisterung, wie’s scheint. Nein, er starb doch sehr zur rechten Zeit ... ja, damals, da wurde viel davon gesprochen ...“

Fürst Myschkin war außer sich.

„Pawlischtscheff ... Pawlischtscheff soll zum Katholizismus übergetreten sein! Das ist nicht möglich!“ rief er geradezu entsetzt.

„‚Nicht mö–glich‘?“ fragte Iwan Petrowitsch gedehnt. „Das ist zum mindesten etwas viel gesagt, mein lieber Fürst, das werden Sie wohl selbst einsehen ... Freilich, Sie schätzen den Verstorbenen so hoch ... Er war allerdings ein selten guter Mensch, doch gerade diesem Umstande schreibe ich hauptsächlich den Erfolg dieses geriebenen Jesuiten zu. Aber fragen Sie erst mich, mich, wieviel Scherereien ich später wegen dieser Geschichte gehabt habe, wieviel Unannehmlichkeiten ... und gerade mit diesem Gourot! Können Sie sich denken,“ wandte er sich plötzlich an den „Würdenträger“, „sie erhoben sogar Ansprüche auf seine Hinterlassenschaft, behaupteten, ein Testament von ihm zu besitzen, und so weiter, so daß ich gezwungen war, di–ie ... energischsten Maßregeln zu ergreifen ... denn sie sind ja Meister, wahre Meister darin! Un–übertrefflich! Doch Gott sei Dank, es geschah in Moskau, ich begab mich sogleich zum Grafen und wir ... brachten sie wieder zur Vernunft ...“

„Sie glauben nicht, wie sehr Sie mich durch diese Mitteilung erschüttert haben!“ rief der Fürst.

„Tut mir leid. Doch im Grunde war das doch alles nicht ernst zu nehmen. Die Sache wäre wohl, wie gewöhnlich in solchen Fällen, im Sande verlaufen, davon bin ich überzeugt. Im vorigen Sommer,“ wandte er sich wieder an den „Würdenträger“, „soll ja auch die Gräfin K., wie man hört, in ein katholisches Kloster eingetreten sein, irgendwo dort im Auslande. Wie man sieht, haben wir Russen keine Widerstandskraft, wenn wir diesen ... Intriganten in die Finger geraten ... namentlich im Auslande.“

„Das kommt alles, denke ich, von unserer Müdigkeit,“ meinte der „Würdenträger“ in überlegenem Tone, wenn er auch die Worte nach Greisenart mehr kaute, als sprach. „Nun und dann haben sie auch eine besondere Art zu predigen ... elegant, geschult ... und verstehen es vorzüglich, einem Angst zu machen. Auch mich versuchten sie im Jahre zweiunddreißig, machten mir schon die Hölle heiß – in Wien war’s, ich versichere Sie! Nur ergab ich mich nicht, sondern lief ihnen einfach davon, ha–ha! Ich lief ihnen in der Tat davon!“

„Na, ich habe gehört, daß du damals nicht dem Jesuitenpater davongelaufen, sondern mit der schönen Gräfin Lewitzkij von Wien nach Paris durchgegangen bist. Es war also wohl nicht die geheizte Hölle, die dich zur Reise veranlaßte,“ bemerkte plötzlich die Bjelokonskaja.