„Da such’ mir einer noch eine zweite solche! Teufel noch eins! Hurra!“

„Göttin! für eine solche Fürstin würd’ ich meine Seele auch verkaufen!“ schrie ein begeisterter Kanzlist. „‚Preis meines Lebens – die Liebe dein!‘ ...“

Nastassja Filippowna trat allerdings bleich wie eine Leiche auf die Treppe; doch in ihren großen schwarzen Augen glühte ein unheimliches Feuer, und diesem Blick hielt die Menge nicht stand: in einer Sekunde schlug der Hohn in Begeisterung um. Keller riß den Wagenschlag auf und wandte sich bereits zu ihr, um ihr die Hand zu reichen und beim Einsteigen behilflich zu sein, doch da – schrie sie plötzlich auf und stürzte sich hinein in die gaffende Volksmenge. Keller erstarrte vor Schreck, das Volk wich fast entsetzt zurück vor ihr ... plötzlich, keine sechs Schritt von der Treppe, stand Rogoshin. Nastassja Filippowna hatte seinen Blick gefühlt und gefunden und wie eine Wahnsinnige war sie auf ihn zugestürzt und hatte seine Hände umklammert.

„Rette mich! Bring’ mich fort! Wohin du willst, nur schnell!“

Rogoshin griff sie auf, fast trug er sie, und ehe man sich’s versah, hatte er sie in die Equipage gehoben. Und schon im nächsten Augenblick hielt er dem Kutscher eine Hundertrubelnote hin.

„Zum Bahnhof, erreichst du den nächsten Zug nach Petersburg, dann noch hundert!“

Und schon saß er in der Equipage und zog den Wagenschlag zu. Der Kutscher zögerte keinen Augenblick: er hieb einmal mit der Peitsche und die Pferde bäumten sich und rasten davon. Keller schob später alle Schuld auf die „Plötzlichkeit“, die „vollkommene Überraschung“: „Noch eine Sekunde – und ich hätte mich besonnen, hätte es nicht zugelassen!“ versicherte er jedesmal, wenn er das Ereignis schilderte. Er und Burdowskij sprangen zwar sogleich in die nächste Equipage, die vor dem Hause hielt, und jagten ihnen nach, doch noch unterwegs bedachte sich Keller eines anderen und meinte: „Wir kommen trotzdem zu spät! Und mit Gewalt können wir sie doch nicht zurückbringen!“

„Und der Fürst wird es auch nicht wollen!“ hatte der ganz erschütterte Burdowskij dazu gemeint.

Rogoshin und Nastassja Filippowna waren in der Tat rechtzeitig auf dem Bahnhof angelangt. Hier hatte Rogoshin beim Verlassen der Equipage gerade noch Zeit gehabt, ein vorübergehendes Mädchen in einem alten dunklen Mantel und einem Seidentüchelchen um den Kopf aufzuhalten.

„Da! fünfzig Rubel für Ihren Mantel!“ und damit hatte er ihr das Geld gereicht.