So dachte der Fürst und dieser Gedanke erschien ihm aus irgendeinem Grunde sehr möglich. Doch um keinen Preis würde er sich Rechenschaft darüber gegeben haben, wenn er sich in seinen Gedanken vertieft hätte: weshalb zum Beispiel Rogoshin seiner plötzlich so bedürfen könnte, und weshalb es ganz „ausgeschlossen“ war, daß sie sich zu guter Letzt nicht doch noch „treffen“ würden? Doch dieser Gedanke war nicht leicht. „Wenn er glücklich ist, dann wird er nicht kommen,“ fuhr der Fürst fort, zu denken, „er wird kommen, wenn er nicht glücklich ist – und er ist doch bestimmt nicht glücklich ...“
Wenn er aber davon überzeugt war, so hätte er Rogoshin im Gasthof, in seinem Zimmer, erwarten müssen. Doch es war, als könne er seinen neuen Gedanken nicht ertragen: plötzlich sprang er auf, ergriff seinen Hut und eilte hinaus. Im Korridor war es fast schon ganz dunkel. – „Wie, wenn er jetzt wieder aus jener Nische hervortritt und mich auf der Treppe anfällt?“ durchzuckte es ihn blitzartig, als er sich jener Stelle näherte. Doch es trat niemand hervor. Er stieg hinunter, trat hinaus aufs Trottoir, wunderte sich über die dichte Menschenmenge, die sich auf der Straße durcheinanderschob – wie in Petersburg gewöhnlich an den Hundstagen, sobald die Sonne sinkt –, und schlug unwillkürlich wieder die Richtung zur Gorochowaja, zum Hause Rogoshins ein. Etwa fünfzig Schritte vom Gasthof, in dem Gedränge an der dritten Straßenkreuzung, berührte ihn plötzlich jemand am Ellenbogen und sagte halblaut dicht an seinem Ohr:
„Lew Nikolajewitsch, komm mir nach, es ist nötig, Bruder.“
Es war Rogoshin.
Seltsam: der Fürst begann plötzlich, vor lauter Freude fast stotternd, fast nach Worten ringend, ihm zu erzählen, wie er ihn soeben im Gasthof, in seinem Zimmer und im Korridor erwartet hatte.
„Ich war dort,“ sagte Rogoshin ruhig, „gehen wir.“
Der Fürst wunderte sich über seine Antwort, wunderte sich aber erst nach etwa zwei Minuten, als er sie begriffen hatte. Als er aber dann über sie nachdachte, erschrak er und sah Rogoshin an. Dieser ging neben ihm fast einen halben Schritt voraus, sah starr vor sich hin, sah in keines der ihm begegnenden Gesichter und wich mit mechanischer Vorsicht allen aus.
„Weshalb hast du nicht nach mir gefragt ... wenn du im Gasthof warst?“ fragte plötzlich der Fürst.
Rogoshin blieb stehen, sah ihn an, dachte nach und sagte, als hätte er die Frage gar nicht verstanden:
„Höre, Lew Nikolajewitsch, du geh jetzt hier geradeaus, bis zum Hause, du weißt? Ich aber werde dort auf jener Seite gehen. Nur sieh zu, daß wir nicht auseinander kommen ...“