„Lwowitsch,“ verbesserte sich der General, ohne sich zu beeilen, eben mit der vollkommenen Ruhe eines Menschen, der den Namen nicht im geringsten vergessen, sondern sich nur zufällig versprochen hat. Er setzte sich, und den Fürsten bei der Hand erfassend, zog er ihn neben sich auf das Sofa. „Ich habe Sie auf den Armen getragen.“
„Wirklich?“ fragte der Fürst überrascht. „Mein Vater ist schon vor zwanzig Jahren gestorben.“
„Ja; vor zwanzig Jahren; vor zwanzig Jahren und drei Monaten. Wir haben zusammen die Schule besucht; ich kam dann zum Militär ...“
„Auch mein Vater war Offizier – Sekondeleutnant beim Wassilkoffskischen Regiment.“
„Beim Bjelomirskischen. Die Nachricht von seiner Versetzung ins Bjelomirskische traf kurz vor seinem Tode ein. Ich war zugegen und drückte ihm die Augen zu. Ihre Mutter ...“
Der General hielt inne, wie um seine Ergriffenheit zu überwinden.
„Ja, auch sie starb nach einem halben Jahr an einer Erkältung,“ sagte der Fürst.
„Nicht an einer Erkältung! Nicht an einer Erkältung, glauben Sie einem alten Mann. Ich war zugegen, ich habe auch sie beerdigt. Sie starb aus Kummer um ihren verlorenen Gatten, nicht aber an einer Erkältung. Ja, unvergeßlich ist mir diese Fürstin! O Jugend! Ihretwegen wurden wir beide, der Fürst und ich, wir zwei Jugendfreunde, fast zu gegenseitigen Mördern.“
Der Fürst begann, etwas mißtrauischer zuzuhören.
„Ich hatte mich sterblich in Ihre Mutter verliebt, als sie noch Braut war – die Braut meines Freundes. Er aber merkte es! Kommt zu mir, frühmorgens um sieben Uhr, weckt mich. Ich – kleide mich ganz verwundert an ... Schweigen beiderseits. Ich begriff alles. Er nimmt aus der Tasche zwei Pistolen. Amerikanisches Duell, versteht sich. Ohne Zeugen. Wozu Zeugen, wenn wir uns nach fünf Minuten beide in die Ewigkeit befördern? Wir luden, breiteten das Taschentuch aus, nahmen jeder seine Stellung ein, setzten die Pistolenmündung einander auf die Brust und schauten uns an. Plötzlich bricht ein Strom von Tränen aus unseren Augen, die Hände sinken herab – bei beiden, bei beiden gleichzeitig! Nun, dann natürlich Umarmungen, und jeder kämpft mit seiner Großmut. Der Fürst sagt: ‚Nimm du sie!‘ Mit einem Wort ... mit einem Wort ... Sie wollen bei uns wohnen ... wirklich wohnen?“