„Nein, ich entsinne mich Nikolai Lwowitschs nicht. Ist das Ihr Vater?“ fragte sie den Fürsten.
„Ja, aber er starb, glaube ich, nicht in Twerj, sondern in Jelissawetgrad,“ bemerkte der Fürst etwas verlegen. „Ich habe es von Pawlischtscheff gehört ...“
„In Twerj starb er,“ behauptete der General. „Kurz vor seinem Tode wurde er nach Twerj versetzt, vor dem Ausbruch der Krankheit. Sie waren damals viel zu klein, um sich jetzt noch der Versetzung oder der Reise entsinnen zu können, und Pawlischtscheff kann sich geirrt haben – er war ja doch auch nicht mehr als ein Mensch, wenn er auch sonst ein seltener Mensch war.“
„Sie kannten auch Pawlischtscheff?“
„Ein seltener Mensch war er, aber ich war ja doch Augenzeuge, ich habe ihm die Augen zugedrückt ...“
„Aber mein Vater starb doch, soviel ich weiß, als Untersuchungsgefangener,“ bemerkte wieder der Fürst, „obwohl ich niemals habe erfahren können, welches Vergehens er eigentlich beschuldigt worden ist. Er starb im Hospital.“
„Oh, das war doch die Geschichte mit dem Soldaten Kolpakoff – der Fürst wäre ganz zweifellos freigesprochen worden!“
„Ja? Sie wissen es genau?“ fragte der Fürst lebhaft interessiert.
„Das fehlte noch, daß ich’s nicht wüßte!“ rief der General fast entrüstet aus. „Das Kriegsgericht löste sich auf, ohne auch nur das geringste Urteil zu fällen. Ein ganz unmöglicher Fall! Man kann sogar sagen – geradezu mysteriös! Eines Tages stirbt der Hauptmann Larionoff, unser Kompagniechef; dem Fürsten werden zeitweilig die Pflichten desselben übertragen; schön. Der gemeine Soldat Kolpakoff begeht darauf einen Diebstahl – er stiehlt einem Kameraden die Stiefel und vertrinkt sie; schön. Der Fürst – und vergessen Sie nicht, es geschah in Gegenwart des Feldwebels und Korporals – wäscht dem Kolpakoff tüchtig den Kopf und droht ihm mit Prügelstrafe. Sehr schön. Kolpakoff geht in die Kaserne, legt sich auf die Pritsche und nach einer Viertelstunde ist er tot. Vortrefflich. Aber wie dem auch sein mag, jedenfalls bleibt die Sache unerklärlich, geradezu unmöglich. Nun gut, Kolpakoff wird beerdigt; der Fürst rapportiert und Kolpakoff wird aus den Listen gestrichen. Die Sache ist erledigt, nicht wahr? Was kann man noch verlangen? Doch siehe da, genau nach einem halben Jahre steht bei einer Brigadebesichtigung der Soldat Kolpakoff, als wäre er nie gestorben, in der dritten Rotte des zweiten Bataillons des Nowosemljanskischen Infanterie-Regiments, in derselben Brigade und derselben Division!“
„Was!“ Der Fürst fiel natürlich aus den Wolken.