„Aber wie haben Sie mich denn erkannt?“

„Nach der Photographie und ...“

„Und?“

„Und ... weil ich Sie mir gerade so vorstellte ... Ich glaube, Sie gleichfalls irgendwo gesehen zu haben.“

„Wo? Wo?“

„Ich glaube Ihre Augen irgendwo gesehen zu haben ... aber das kann ja nicht sein! Das ist nur so ... Ich bin nie hier gewesen. Vielleicht im Traum.“

„Eh–hee! Seht doch mal an!“ rief Ferdyschtschenko laut dazwischen. „Nein, ich nehme mein ‚se non è vero‘ zurück! Doch ... doch übrigens – das hat er ja alles nur aus Unschuld gesagt!“ fügte er mitleidig bedauernd hinzu.

Der Fürst hatte die wenigen Sätze mit einer unruhigen Stimme gesprochen, dazwischen in der Erregung oft Atem geschöpft oder kurz abgebrochen, weshalb seine Rede denn auch geradezu abgehackt klang. Nastassja Filippowna sah ihn interessiert an, doch hatte sie aufgehört zu lachen. Da ertönte plötzlich eine neue laute Stimme hinter der Gruppe, die Nastassja Filippowna umstand. Der Neueingetretene brach sich majestätisch Bahn und – vor Nastassja Filippowna verneigte sich das Oberhaupt der Familie in eigener Person. General Iwolgin war im Frack und in sauberem Vorhemd. Sein Schnurrbart war starr aufgewichst.

Doch das war zuviel für Ganjä:

Dieser selbstgefällige, bis zur Hypochondrie ehrgeizige Mensch, der in den ganzen zwei Monaten vergeblich nach einem Piedestal gesucht, auf dem er höher dastehen und sich edler ausnehmen könnte, mußte nun fühlen, daß er noch ein Neuling auf dem erwählten Wege war und vielleicht nicht einmal bis zum Ende aushalten würde; dieser Mensch, der sich dann in der Verzweiflung zur größten Gemeinheit entschlossen hatte, was er bei sich zu Hause, wo er als richtiger Despot herrschte, auch vollkommen eingestand, Nastassja Filippowna gegenüber jedoch – die geradezu unbarmherzig das Übergewicht behielt, was sie ihn auch fühlen ließ – nie und nimmer einzugestehen gewagt hätte; dieser „ungeduldige Bettler“, wie sie ihn einmal genannt, was ihm bald darauf hinterbracht worden war, hatte sich mit allen Schwüren geschworen, sie in der Folge bitter dafür büßen zu lassen, während er gleichzeitig wie ein Kind davon träumen konnte, wie er alles gutmachen, alle Widersprüche vereinen und nichts als Glück schaffen würde; – dieser Mensch mußte jetzt den furchtbarsten Kelch leeren! Ihm war auch noch diese schreckliche, für einen ehrgeizigen Menschen allerschrecklichste Folter zugedacht: die Qual, für seine Angehörigen erröten zu müssen, und das dazu noch in seinem eigenen Hause!