Warwara Petrowna lächelte verzogen.
„Weißt du, meine Liebe, du hast dir wohl wieder einmal etwas eingebildet. Wäre nichts Neues! Du hast ja von jeher nur von Einbildungen gelebt. Wenn ich von der Pension anfange, so ärgerst du dich. Aber weißt du noch, wie du ankamst? Wie du der ganzen Klasse erzähltest, der Husarenleutnant Schablykin hätte um dich angehalten, und wie Madame Lefebure dich sofort der Lüge zieh? Dabei hattest du ja gar nicht gelogen. Du hattest dir die ganze Geschichte eben einfach eingebildet. Und so war’s immer und so wird’s wohl auch jetzt wieder sein. Also erzähle nur, womit du diesmal hergekommen bist, was du dir jetzt wieder einbildest?“
„Dabei hat sie sich in der Pension in den Popen verliebt – hahaha!“ rief Praskowja Iwanowna mit gehässigem Lachen, das bald in Husten überging.
„Ah! das hast du also nicht vergessen?“ Warwara Petrowna sah sie durchdringend an und ihr Gesicht wurde farblos vor Ärger.
Praskowja Iwanowna wurde plötzlich ernst. Dann aber fuhr es aus ihr heraus: „Warum ... warum haben Sie meine Tochter in Gegenwart der ganzen Stadt in Ihren Skandal verwickelt?“
„In meinen Skandal?“ Warwara Petrowna richtete sich drohend auf.
„Mama, ich möchte Sie doch sehr bitten, sich etwas zu mäßigen,“ sagte Lisaweta Nicolajewna plötzlich zu ihr.
„Wie! Was ... was sagtest du da?“ Aber gleich darauf schwieg sie vor dem aufblitzenden Blick ihrer Tochter.
„Was reden Sie von einem Skandal, Mama? Ich bin freiwillig hierhergekommen, mit Julija Michailownas Erlaubnis, weil ich die Geschichte dieser Unglücklichen da erfahren wollte, um ihr helfen zu können.“
„Geschichte dieser Unglücklichen?“ wiederholte Praskowja Iwanowna langsam, mit bösem Lachen. „Was mischst du dich in solche Geschichten? Ach, meine Liebe, wir haben jetzt genug von Ihrer Herrschsucht!“ fuhr sie darauf wieder Warwara Petrowna an. „Bisher haben Sie die ganze Stadt kritisiert, jetzt aber kommt die Reihe auch einmal an uns!“