Der „Hauptmann“ stockte wieder und atmete schwer, wie nach einer übergroßen Kraftanstrengung; auf seiner Stirn perlten buchstäblich dicke Schweißtropfen. Die Rede über den Wohltätigkeitsverein schien er schon vorbereitet zu haben und wahrscheinlich gleichfalls unter Liputins Leitung. Warwara Petrowna sah ihn durchdringend an.

„Dieses Buch,“ sagte sie streng, „liegt unten bei meinem Portier. Dort können Sie sich zu jeder Zeit einschreiben, wenn Sie wollen. Jetzt aber bitte ich Sie, Ihr Geld wieder einzustecken und nicht so in der Luft damit herumzufuchteln ... So! Auch bitte ich Sie, sich wieder auf Ihren alten Platz zu setzen ... So! Es tut mir leid, mein Herr, daß ich mich im Falle Ihrer Schwester so versehen und ihr ein Almosen gegeben habe, während sie reich ist. Nur eines verstehe ich nicht – warum sie nur von mir allein und sonst von niemandem etwas annehmen würde. Sie haben das so betont, daß ich darüber gern eine nähere Erklärung hören würde.“

„Gnädige Frau, das ist ein Geheimnis, das erst im Grabe begraben sein wird!“ antwortete der „Hauptmann“.

„Was ... wollen Sie damit sagen?“ fragte Warwara Petrowna mit nicht mehr ganz so fester Stimme wie bisher.

„Gnädige Frau ... gnädige Frau ...!“ er verstummte, blickte finster zu Boden und drückte die rechte Hand aufs Herz. Warwara Petrowna wartete, doch ohne ihn aus den Augen zu lassen.

„Gnädige Frau!“ rief er plötzlich aus, „gestatten Sie mir, eine Frage an Sie zu stellen, nur eine einzige, ganz offen, gerade heraus, auf russische Art, also unmittelbar aus der Seele?“

„Bitte.“

„Haben Sie je gelitten im Leben, gnädige Frau?“

„Sie wollen damit wohl sagen, daß Sie durch irgend jemanden gelitten haben oder noch leiden?“

„Gnädige Frau, ach, gnädige Frau!“ rief er erregt, sprang wieder auf und schlug sich an die Brust. „Hier in diesem Herzen hat sich so viel aufgehäuft, so viel, sage ich Ihnen, daß Gott selbst sich wundern wird, wenn er es beim jüngsten Gericht erfährt!“