Dascha antwortete ihm irgend etwas, aber die Worte konnte ich nicht verstehen.
„Verzeihen Sie, bitte, die Aufdringlichkeit,“ sagte er und sprach lauter, „aber Sie wissen doch, daß man mich absichtlich davon benachrichtigt hat? Wissen Sie das?“
„Ja, ich weiß, daß Sie absichtlich davon benachrichtigt worden sind.“
„Nun, ich hoffe, mein Glückwunsch hat nicht gestört,“ meinte er lachend, – „und wenn Stepan Trophimowitsch ...“
„Wozu, wozu gratulieren?“ Pjotr Stepanowitsch lief schnell herbei, „wozu, wozu gratulieren, Darja Pawlowna? Bah! doch nicht etwa dazu? Wirklich! Ihre Farbe beweist, daß ich recht geraten habe! In der Tat gibt es doch nur eine einzige Art Glückwunsch, bei dem unsere schönen, sittsamen jungen Damen zu erröten pflegen. Nun, so empfangen Sie ihn denn auch von mir, wenn ich’s richtig erraten habe! Bezahlen Sie aber auch bitte die Wette! Sie werden sich doch noch erinnern, daß wir in der Schweiz gewettet haben? Sie sagten, daß Sie niemals heiraten würden und ich sagte das Gegenteil. Nun, und eigentlich bin ich ja halbwegs deshalb aus der Schweiz hierher gereist ... Apropos – Schweiz! Aber sag mir doch,“ er drehte sich schnell zu Stepan Trophimowitsch herum, „wann fährst du denn jetzt in die Schweiz?“
„Ich? ... in die Schweiz?“ fragte Stepan Trophimowitsch überrascht und verwirrt.
„Ja, wie denn? Fährst du denn nicht? Aber du heiratest doch ... du schriebst es doch!“
„Pierre!“ rief Stepan Trophimowitsch streng.
„Was denn, Pierre! Sieh mal, wenn es dir angenehm zu hören ist, so bin ich hierher geflogen, um dir mitzuteilen, daß ich durchaus nichts dagegen einzuwenden habe! Du wolltest doch meine Meinung möglichst bald wissen! Wenn man dich aber ‚retten‘ muß, wie du in demselben Brief schreibst, so stehe ich dir dito zu Diensten. Ist es wahr, daß er heiratet, Warwara Petrowna?“ und wieder drehte er sich schnell zu dieser. „Ich nehme an, daß ich hier nicht von Geheimnissen rede. Er schreibt ja selbst, daß die ganze Stadt es bereits weiß, daß ihm alle bereits ihre Glückwünsche darbringen wollen, und daß er, um dem zu entgehen, nur noch in der Nacht das Haus verlassen kann. Den Brief habe ich in der Tasche. Ganz klug bin ich freilich nicht aus ihm geworden. Sag selbst, Stepan Trophimowitsch, was soll man nun eigentlich: – soll man dir ‚gratulieren‘? – oder soll man dich ‚retten‘? Sie glauben nicht, Warwara Petrowna, unmittelbar neben den glücklichsten Zeilen stehen solche der größten Verzweiflung. Zunächst bittet er mich um Verzeihung: nun, schön, das sind so seine Sentimentalitäten ... Aber übrigens – nein, es ist unmöglich, nicht davon zu sprechen: stellen Sie sich vor, er hat mich im ganzen Leben nur zweimal gesehen, und auch dann nur zufällig; jetzt plötzlich aber, wie er sich zum dritte Male verheiraten will, bildet er sich ein, damit mir gegenüber irgendwelche väterlichen Pflichten zu verletzen. Und so fleht er mich tatsächlich über tausend Werst hinweg an, ihm nicht böse zu sein und meine Erlaubnis zu seiner Vermählung zu geben! Du, ärgere dich bitte nicht, Stepan Trophimowitsch, es ist ein Zug unserer Zeit, alles zu verstehen, und ich verurteile dich ja auch nicht, ja, schließlich macht dir das alles sogar, wie man das zu nennen pflegt, nur Ehre, usw., usw. Doch davon wollte ich ja gar nicht sprechen. Die Hauptsache ist vielmehr, daß mir – nun, eben die Hauptsache nicht klar ist. Schreibst da irgend etwas von Schweizer Sünden ... ‚Heirate sozusagen fremde Sünden‘, oder wie du dich da ausdrückst, – mit einem Wort: ‚Sünden‘ sind dabei. ‚Das Mädchen‘, schreibst du, ‚ist ein Juwel‘, und du, nun natürlich, du bist ihrer ‚nicht wert‘. Das ist nun einmal sein Stil,“ sagte er wieder zu Warwara Petrowna gewandt. „Wegen irgendwelcher ‚fremden Sünden‘ ist er ‚gezwungen, zum Altar zu gehen und in die Schweiz zu reisen‘, und darum: ‚fliege her, um mich zu retten!‘ Begreifen Sie etwas? Aber ich sehe ... mir scheint ... ich bemerke am Ausdruck der Gesichter, daß –“ er drehte sich nach allen Seiten um und sah die Anwesenden mit dem unschuldigsten Lächeln an, – „daß ich nach meiner Gewohnheit wieder einmal eine Dummheit gemacht habe ... mit meiner Aufrichtigkeit, oder, wie Nicolai Wszewolodowitsch sagt – Eilfertigkeit ... Ich glaubte doch, daß wir hier unter Freunden sind? Das heißt selbstverständlich unter deinen Freunden, Stepan Trophimowitsch, nur unter deinen, denn ich bin hier ja fremd ... und nun sehe ich ... sehe ich, daß alle irgend etwas wissen, und nur ich dieses ‚Etwas‘ nicht weiß ...“
Er sah sich noch immer im Kreise um.