Nicolas lag gute zwei Monate. Die ganze Stadt besuchte Warwara Petrowna. Und sie verzieh. Als Nicolas sich zum Frühling hin wieder erholte und mit dem Vorschlag der Mutter, nach Italien zu reisen, einverstanden war, da bat sie ihn, vorher doch überall seine Abschiedsvisite zu machen und sich bei der Gelegenheit zu entschuldigen, wo das nötig und soweit es möglich war. Nicolas versprach ihr auch das, und sogar mit großer Bereitwilligkeit. Und alsbald erfuhr man im Klub, er habe mit Pjotr Pawlowitsch eine überaus zartfühlende Aussprache gehabt, durch die dieser vollkommen zufriedengestellt worden sei. Während dieser Visiten soll Nicolas sehr ernst und sogar ein wenig düster gewesen sein. Alle empfingen ihn anscheinend mit aufrichtiger Teilnahme, doch im Grunde waren alle verlegen und nur froh, daß er nach Italien reiste. Iwan Ossipowitsch weinte sogar, konnte sich aber aus einem unbestimmten Grunde doch nicht entschließen, ihn zum Abschied zu umarmen. Allerdings blieben bei uns manche doch überzeugt, der Taugenichts habe alle nur zum Besten gehabt, die Krankheit aber sei eine Sache für sich gewesen. Auch zu Liputin fuhr er zur Abschiedsvisite.

„Sagen Sie mal,“ fragte er ihn, „wie konnten Sie damals im voraus wissen, was ich über Ihren Verstand sagen würde, und die Antwort darauf schon mitgeben?“

„Ganz einfach,“ sagte Liputin lachend, „weil auch ich Sie für klug halte, also war’s nicht schwer!“

„Immerhin ein seltsames Zusammentreffen. Aber erlauben Sie: dann hielten Sie mich damals für gescheit und nicht für wahnsinnig?“

„Für den gescheitesten und klügsten, und ich stellte mich nur so, als glaubte ich, Sie wären nicht bei voller Vernunft. Und Sie haben mir ja auch sofort den Beweis für die Ungetrübtheit Ihres Geistes zurückgesandt.“

„Übrigens irren Sie sich da doch ein wenig: ich war tatsächlich ... krank,“ sagte Nicolas verstimmt. „Wie! glauben Sie denn wirklich, ich wäre fähig, bei vollem Verstande Menschen zu überfallen? Wozu denn das?“

Liputin wand sich betreten und wußte nicht recht, was er antworten sollte. Nicolas erblaßte ein wenig, oder vielleicht schien es Liputin nur so.

„Jedenfalls haben Sie eine sehr amüsante Denkweise,“ fuhr Nicolas fort, „und ich begreife natürlich, daß Sie Ihre Agafja zu mir schickten, um mich zu verhöhnen.“

„Ich konnte Sie doch nicht zum Duell fordern?“

„Ach, ja, richtig! Ich habe ja auch so etwas gehört, daß Sie Duelle nicht lieben ...“