„Ich kann Ihnen nur sagen, daß ich nie einer gewesen bin.“
„Mein Gott!“ Sie schlug die Hände zusammen. „Alles habe ich von seinen Feinden erwartet, aber solche Dreistigkeit doch wirklich nicht! Lebt er überhaupt noch?“ rief sie außer sich und rückte auf ihn zu. „Hast du ihn getötet oder nicht, gestehe!“
„Für wen hältst du mich?“ rief er aufspringend und sah sie an mit verzerrtem Gesicht.
Aber es war schwer, sie jetzt noch zu erschrecken. Sie triumphierte bereits.
„Wer kann es denn wissen, was du bist und woher du kommst! Nur mein Herz, mein Herz hat in all diesen fünf Jahren die ganze Intrige geahnt! Und da sitze ich nun und wundere mich: was ist das doch für eine blinde Eule, die heute zu mir gekommen ist? Nein, mein Lieber, du bist ein schlechter Schauspieler, sogar schlechter als mein Lebädkin. Grüße die Gräfin von mir recht höflich und richte ihr aus, sie solle doch einen schicken, der etwas gewandter ist als du. Hat sie dich gemietet, sag? Sonst dienst du wohl in ihrer Küche, wo sie dich vielleicht aus Gnade und Barmherzigkeit hält! Ich durchschaue ja euren ganzen Betrug, euch alle, bis auf den letzten durchschaue ich!“
Er faßte sie mit fester Kraft am Arm, über dem Ellenbogen; sie aber lachte ihm ins Gesicht.
„Ähnlich bist du ihm, ja, sehr ähnlich, vielleicht bist du auch verwandt mit ihm, – schlaues Volk! Nur ist meiner ein lichter Falke und ein Fürst, du aber bist eine Eule und ein Krämer! Wenn meiner will, so beugt er sich vor Gott, will er aber nicht, so beugt er sich auch vor Gott nicht! Dich aber hat Schatuschka (der Gute, der Liebe, mein Täubchen Schatuschka!) ins Gesicht geschlagen, wie Lebädkin erzählte. Und warum wurdest du damals so feig, als du hereinkamst? Was schreckte dich denn? Wie ich es sah, dein gemeines Gesicht, als ich fiel und du mich auffingst – da kroch es mir wie ein Wurm ins Herz: das ist nicht er, denke ich, nicht er! Würde sich doch mein Falke meiner nie vor einem vornehmen Fräulein geschämt haben! O Gott! Machte mich doch schon der Gedanke glücklich, in diesen ganzen fünf Jahren, daß mein Falke dort irgendwo hinter den Bergen lebt und fliegt und die Sonne schaut ... Sag, Usurpator, hast du viel genommen? Hast wohl für großes Geld eingewilligt? Ich hätte dir keinen Groschen gegeben! Ha–ha–ha! Ha–ha–ha! ...“
„Idiotin!“ knirschte Stawrogin, der sie immer noch am Arm gepackt hielt.
„Fort, Usurpator!“ rief sie plötzlich befehlend. „Ich bin meines Fürsten Frau und fürchte mich nicht vor deinem Messer!“
„Messer!“