„Ist es wahr, man sagt, du hättest hier in der Umgegend in diesen Tagen eine Kirche geplündert?“ fragte Stawrogin plötzlich.
„Gnädiger Herr, eigentlich ging ich zuerst nur hin, um zu beten,“ antwortete Fedjka gesetzt und höflich, und als ob nicht das Geringste vorgefallen wäre. Ja, nicht nur gesetzt, sondern geradezu würdevoll sagte er es, und von der früheren „freundschaftlichen“ Familiarität war auch nicht eine Spur mehr zu bemerken. Er war in diesem Augenblick ganz wie ein ernster, sachlicher Mensch, den man grundlos gekränkt hat, der aber auch Kränkungen zu vergessen versteht.
„Doch wie mich da unser Herrgott hingeführt hatte,“ fuhr er fort, „ach, du himmlisches Gnadenkraut, denke ich! Nur von wegen meiner Verwaistheit ist ja das alles geschehen, denn in unserem Leben geht’s nu mal gar nich ohne Unterstützung. Und sehen Sie, glauben Sie mir, gnädiger Herr, zu seinem eigenen Nachteil hat der Herr mich hingeführt: hab’ für die Sachen im ganzen nur zwölf Rubelchen bekommen. Des heiligen Nicolai silbernes Kinnband aber ist fast auf den Kauf gegangen: semiliert, sagte man.“
„Du hast vorher den Wächter erstochen?“
„Nee, das heißt, wir haben’s ja beide gemacht, der Wächter und ich, und dann erst, am Morgen, am Flüßchen, kam’s zum Streit, wer den Sack tragen sollte. Da sündigte ich, erleichterte ihn ein klein wenig.“
„Erstich noch, stiehl noch!“
„Ganz dasselbe rät mir auch Pjotr Stepanowitsch, mit genau denselben Worten, da er mir selber nie nich was geben will, denn er ist halt geizig und hartherzig in Fragen wie Unterstützung. Außerdem, daß er an den himmlischen Schöpfer, der uns doch allesamt aus einem Erdkloß gemacht hat, nich für eine Kopeke glaubt. Er sagt, alles hat die Natur gemacht, sogar jedes letzte Tier, und überdies begreift er schon ganz und gar nich, daß uns in unserem Leben ohne milde Unterstützung überhaupt nichts möglich ist. Fängst du ihm was zu erklären an, glotzt er wie ein Schaf ins Wasser: nur so wundern kannst du dich über ihn. Aber werden Sie es wohl glauben, gnädiger Herr, beim Hauptmann Lebädkin beispielsweise, wo Sie soeben besuchten, da kam’s vor, als er noch vor Ihnen bei Filippoff wohnte, daß die Tür die ganze Nacht unverschlossen steht, schläft selbst vollgesoffen wie ein Fisch, und das Geld, das kullert nur man so aus allen Taschen auf die Diele. ’s kam vor, daß man’s mit eigenen leibhaftigen Augen sah, denn nach unserer Meinung, daß man ohne milde Unterstützung was könnte, daran ist schon gar nich zu denken ...“
„Wie das, mit eigenen Augen? Bist du etwa in der Nacht hingegangen?“
„Vielleicht bin ich auch hingegangen, nur weiß das niemand nich.“
„Warum hast du ihn denn nicht erstochen?“