„Das ist sowohl scharfsinnig wie treffend gesagt. Mais, ma bonne amie,[19] wenn ich auch das Rechte, nehmen wir an, nicht am besten weiß und mich objektiv vielleicht irre, so habe ich doch mein allgemein menschliches, ewiges, höheres Recht auf mein freies Gewissen? Ich habe doch das Recht, kein Heuchler und Fanatiker zu sein, wenn ich das nicht sein will, und dafür werde ich naturgemäß, solange die Welt steht, von verschiedenen Leuten gehaßt werden. Et puis, comme on trouve toujours plus de moines que de raison,[20] und da das ganz meine Meinung ist ...“

„Wie, wie war das, was sagten Sie da? Das stammt gewiß nicht von Ihnen, das haben Sie bestimmt irgendwo gelesen?“

„Das hat Pascal gesagt.“

„Das hab’ ich mir doch gleich gedacht ... daß es kein Ausspruch von Ihnen ist! Warum sagen Sie niemals etwas so kurz und treffend, sondern ziehen alles immer so in die Länge? ...“

„Ma foi, chère[21] ... warum? Erstens wahrscheinlich deshalb, weil ich immerhin nicht Pascal bin, et puis[22] ... zweitens, weil wir Russen in unserer Sprache nichts auszudrücken verstehen ... Wenigstens haben wir bisher noch nichts in ihr ausgedrückt ...“

„Hm! Darin haben Sie vielleicht doch nicht recht. Aber könnten Sie sich denn nicht wenigstens solche Aussprüche aufschreiben oder merken, für den Fall, wissen Sie, wenn das Gespräch ... Ach, Stepan Trophimowitsch, ich habe mir unterwegs vorgenommen, einmal ernst mit Ihnen zu sprechen, sehr ernst.“

„Chère, chère amie!“

„Jetzt, wo alle diese Lembkes und Karmasinoffs ... Oh Gott, wie sind Sie heruntergekommen! Oh, wie Sie mich damit quälen! ... Ich möchte, daß diese Menschen Hochachtung vor Ihnen empfänden, denn sie sind ja alle nicht einmal soviel wert wie ein Finger von Ihnen, Ihr kleiner Finger, aber Sie, wie halten Sie sich! Was werden diese Leute in Ihnen sehen? Wen kann ich ihnen präsentieren? Statt vornehm als Zeuge dazustehn, ein Beispiel zu sein, umgeben Sie sich mit solch einem Pack, Sie haben unmögliche Gewohnheiten angenommen, sind alt geworden, können ohne Wein und Karten nicht mehr leben, Sie lesen nur noch Paul de Kock und schreiben selbst überhaupt nichts mehr, während die dort alle schreiben. Ihre ganze Zeit vergeuden Sie im Geschwätz. Ist es denn möglich, darf man sich denn das erlauben, sich mit solchem Gesindel anzufreunden, wie es Ihr ewiger Liputin ist?“

„Warum denn ‚mein ewiger Liputin‘?“ protestierte Stepan Trophimowitsch schüchtern.

„Und Schatoff? Ist er immer noch derselbe?“