„Aber Kirilloff doch! Der Brief ist doch an Kirilloff ins Ausland geschrieben ... Wußten Sie das etwa nicht? Ärgerlich an der ganzen Sache ist ja nur, daß Sie sich vor mir vielleicht nur verstellen und selbst schon lange von diesem Gedicht wissen, na, und auch alles andere! Wie ist es denn auf Ihren Tisch gekommen? Wenn Sie es überhaupt zu erwischen verstanden haben! – wozu foltern Sie mich dann noch mit Ihren Fragen, wenn’s so ist?“
Er wischte sich fast bebend den Schweiß von der Stirn.
„Vielleicht ist auch mir einiges bekannt ...“ bemerkte Herr von Lembke, geschickt ausweichend, „aber wer ist denn dieser Kirilloff?“
„Nun, ein Ingenieur, vor kurzem hier angekommen. War Stawrogins Sekundant. Einfach ein Maniak, total verrückt. Ihr Leutnant hatte vielleicht wirklich nur Schnupfenfieber als er biß, na, aber dieser, ich sage Ihnen, der ist schon längst fürs Tollhaus reif – dafür garantiere ich. Ach, Andrei Antonowitsch, wenn die Regierung nur wüßte, was das da für Leutchen sind, sie würde ja keinen Finger rühren. Hab mich in der Schweiz und auf den Kongressen an ihnen satt gesehen, übersatt!“
„Dort, von wo aus man die Bewegungen bei uns leitet?“
„Ja, wer leitet denn? Dreieinhalb Menschen! Wenn man sie ansieht, sage ich Ihnen, kann man bloß Lust zum Gähnen bekommen. Und was sind denn das für ‚Bewegungen bei uns‘? Etwa die Verbreitung von Proklamationen? Aber wer verbreitet sie denn? Verschnupfte Leutnants und zwei bis drei Studenten! Sie sind doch ein kluger Mensch, da stelle ich Ihnen nun eine Frage: warum schließen sich nicht etwas bedeutendere Menschen der Sache an, warum immer nur Studenten und Jünglinge von zweiundzwanzig Jahren? Und wie viele sind ihrer denn selbst von solchen? Man läßt sie wohl von einer Million geübter Hunde suchen, doch wie viele hat man bisher gefunden? Sieben Mann! Ich sage Ihnen ja, nur Lust zum Gähnen bekommt man.“
Von Lembke hörte ihm aufmerksam zu, aber mit einem Ausdruck, der gleichsam sagte: „Eine Nachtigall machst du mit Fabeln nicht satt.“
„Erlauben Sie, einstweilen, – Sie behaupten, daß der Brief ins Ausland geschrieben ist; hier ist aber keine Adresse; woher wissen Sie es denn, daß der Brief an Kirilloff gerichtet ist? und schließlich überhaupt ins Ausland und ... und ... daß er wirklich von Herrn Schatoff geschrieben ist?“
„So verschaffen Sie sich doch sofort Schatoffs Handschrift und vergleichen Sie! In Ihrer Kanzlei wird sich bestimmt irgendeine Unterschrift von ihm finden. Und was Kirilloff betrifft, so hat er mir doch selbst den Brief gezeigt. Gleich damals, als er ihn bekam.“
„Also haben Sie wohl selbst ...“