„Wissen Sie was! Überlassen Sie mir den Brief. Ich werde Ihnen sofort den Verfasser herausfinden. Früher noch als die anderen.“

„Nehmen Sie ihn,“ sagte von Lembke, doch erst nach einigem Zögern.

„Haben Sie ihn schon jemandem gezeigt?“

„Nein, bewahre! Niemandem!“

„Auch nicht Julija Michailowna?“

„Da sei Gott vor! und ums Himmels willen, zeigen Sie ihn ihr auch nicht!“ rief von Lembke erschrocken. „Er würde sie so aufregen ... und sie würde sich furchtbar über mich ärgern.“

„Natürlich, verstehe schon! Sie würde sagen, daß Sie selbst daran schuld sind, wenn man Ihnen so was zu schreiben wagt! Man kennt doch Weiberlogik. Na, aber jetzt leben Sie wohl. Vielleicht kann ich Ihnen schon in drei Tagen den Verfasser nennen. Aber vergessen Sie nur unsere Abmachung nicht!“

IV.

Pjotr Stepanowitsch war gewiß kein dummer Mensch, doch Fedjka, der Zuchthäusler, hatte ihn richtig charakterisiert mit dem Ausspruch: „Der stellt sich einen Menschen so vor, wie er ihn haben will, und so lebt er dann mit ihm.“

Pjotr Stepanowitsch verließ Herrn von Lembke in der festen Überzeugung, daß er ihn auf wenigstens sechs Tage beruhigt habe, diese Frist aber brauchte er unbedingt. Doch seine Berechnung war falsch, und zwar weil er sich Herrn von Lembke von allem Anfange an und gleich für immer als vollkommen beschränkten Menschen vorgestellt hatte.