„Natürlich nicht!“ stimmte sofort eine andere Stimme bei. „Heutzutage gibt’s keine Gespenster, es gibt nur noch Naturwissenschaften. Werden Sie mit diesen fertig!“
„Meine Herrschaften, nichts habe ich weniger erwartet, als solche Einwendungen,“ sagte Karmasinoff, in der Tat maßlos verwundert. – Dem großen Genie war in Karlsruhe das Vaterland völlig fremd geworden.
„In unserem Jahrhundert ist es eine Schande, solchen Schwindel vorzutragen! – gleich dem von den drei Walfischen, auf denen die Welt ruhen soll!“[50] schmetterte plötzlich eine Jungfrau in den Saal. „Zudem haben Sie, Karmasinoff, überhaupt nicht in das Innere der Erde zu einem Asketen hinabsinken können. Und wer redet denn jetzt noch von Asketen?“
„Meine Herrschaften, am meisten wundert mich, daß das so ernst genommen wird. Übrigens ... übrigens ... Sie haben vollkommen recht. Niemand achtet die reale Wahrheit mehr als ich ...“
Er lächelte zwar ironisch, war aber merklich doch sehr betroffen. Der Ausdruck seines Gesichts sagte indessen geradezu wörtlich: „Ich bin doch nicht so einer, wie ihr glaubt, ich bin doch ganz eurer Meinung, nur lobt mich, lobt mich mehr, lobt mich soviel wie möglich; denn das liebe ich über alles ...“
„Meine Herrschaften,“ rief er schließlich, aber nun schon durchaus verletzt, „ich sehe, daß mein armes Poemchen hier deplaziert war. Ja und auch ich selbst bin hier, wie mir scheint, deplaziert.“
„Er zielte auf eine Krähe, traf aber eine Kuh!“ schrie nun bereits mit lautester Stimme irgendein Esel in den Saal, wahrscheinlich ein Angeheiterter, doch diesen Ausruf hätte man schon unter keinen Umständen beachten sollen.
„Ein wahres Wort!“ Dazu respektloses Lachen.
„Eine Kuh, sagen Sie?“ griff dagegen Karmasinoff das Sprichwort sofort auf. Seine Stimme wurde immer kreischender. „Bezüglich des Vergleichs mit Krähen und Kühen erlaube ich mir keine Äußerung, meine Herrschaften. Ich achte sogar jedes Publikum doch allzusehr, um mir Vergleiche, und seien es auch ganz unschuldige, zu erlauben. Aber ich dachte ...“
„Ach, mein Herr, Sie sollten doch lieber nicht gar so ...,“ fiel ihm jemand aus den letzten Reihen ins Wort.