Da fuhren die Teufel aus von dem Menschen, und fuhren in die Säue; und die Herde stürzte sich vom Abhange in den See, und ersoffen.
Da aber die Hirten sahen, was da geschah, flohen sie, und verkündigten’s in der Stadt und in den Dörfern. Da gingen sie hinaus, zu sehen, was da geschehen war, und kamen zu Jesu, und fanden den Menschen, von welchem die Teufel ausgefahren waren, sitzend zu den Füßen Jesu, bekleidet und vernünftig, und erschraken.
Und die es gesehen hatten, verkündigten’s ihnen, wie der Besessene war gesund worden.
Evangel. Lukä, Kap. VIII, 32–37
(nach der Übersetzung von Luther).
Inhalt
| Seite | ||
| Dostojewski, der Nihilismus und die Revolution. Von M. v. d. B. | [IX] | |
| Vorbemerkung | [XXIII] | |
| Personen-Verzeichnis | [XXXI] | |
| 1. | Kapitel: Statt einer Einleitung: einiges Ausführliche aus der Biographie des wohlachtbaren Stepan Trophimowitsch Werchowenski | [1] |
| 2. | Kapitel: Prinz Heinz. Die Brautwerbung | [59] |
| 3. | Kapitel: Fremde Sünden | [110] |
| 4. | Kapitel: Die Hinkende | [175] |
| 5. | Kapitel: Die „allwissende Schlange“ | [229] |
| 6. | Kapitel: Die Nacht | [304] |
| 7. | Kapitel: Die Nacht (Fortsetzung) | [384] |
| 8. | Kapitel: Das Duell | [426] |
| 9. | Kapitel: Alle in Erwartung | [446] |
| 10. | Kapitel: Vor dem Fest | [485] |
| 11. | Kapitel: Pjotr Stepanowitsch in Tätigkeit | [521] |
| 12. | Kapitel: Bei den Unsrigen | [595] |
| 13. | Kapitel: Zarewitsch Iwan | [636] |
| 14. | Kapitel: Wie Stepan Trophimowitsch beschlagnahmt wurde | [654] |
| 15. | Kapitel: Die Flibustier. Der verhängnisvolle Morgen | [670] |
| 16. | Kapitel: Die Matinee | [709] |
| 17. | Kapitel: Das Ende des Festes | [760] |
| 18. | Kapitel: Ein beendeter Roman | [813] |
| 19. | Kapitel: Der letzte Beschluß | [847] |
| 20. | Kapitel: Die Reisende | [887] |
| 21. | Kapitel: Die mühevolle Nacht | [940] |
| 22. | Kapitel: Stepan Trophimowitschs letzte Reise | [995] |
| 23. | Kapitel: Der Schluß | [1052] |
| 1. | Anhang: Material zum Roman „Die Dämonen“. Aus den Notizbüchern F. M. Dostojewskis | [1073] |
| 2. | Anhang: Bruchstück aus einem bisher unveröffentlichten Kapitel des Romans „Die Dämonen“ | [1121] |
| Anmerkung | [1139] | |
Dostojewski, der Nihilismus und die Revolution.
Der Keim des Nihilismus lag bereits im Sektenwesen. Die Raskolniki haben zuerst durch das russische Volk eine revolutionäre Stimmung getragen und religiösen Aufruhr verbreitet. Weil der Russe rechtgläubig bleiben wollte, wurde er altgläubig, um andersgläubig und schließlich ungläubig zu werden. Der Raskol war ursprünglich ein Kampf des Volkes um seine einzige Bildung: die geistliche. Es war ein Kampf um das Wenige, das Arme im Geiste besaßen, die an Vorstellungen nicht rühren lassen wollten, in die sie sich durch Jahrhunderte eingewöhnt hatten: an Ritual, Legende und Text. Es war ein Kampf, der zu keiner Reformation führte, sondern zum Schisma, und schließlich zur Häresie. Aber in diesem Kampfe standen Beschränkte wie Besessene, und standen wild bis zum Fanatismus. Das Ende der Zeiten, das tausendjährige Reich, der Antichrist auf Erden wurde von ihnen erwartet. Schon hier wird die Verbindung von Apokalypse und Nihilismus, aber auch Konservativismus deutlich, die in allen russischen Revolutionen irgendwie wiederkehrt.
Der religiöse Nihilismus wurde allmählich zum politischen Nihilismus. Als Peter erschien und um weltlicher Reformen willen die Kirche dem Staate unterwarf, da sah man den Antichrist auch in ihm, dem Zaren. Ja, schon wagten die Raskolniki in ihrem Kampfe gegen die Kirche auch den Kampf gegen den Staat. Sie erfuhren Zuzug aus allen Kreisen, die in Reibung mit der Obrigkeit lagen. Im Raskol sammelten sich die Unzufriedenen des Landes. Es kam, wer ein schlechtes Gewissen hatte. Es kam der Beamte, der veruntreut, und der Bauer, der aufbegehrt hatte. Es kam der Soldat, der seiner Truppe entlaufen war. Es kamen Strelitzen, denen dem Blutgerichte von Moskau zu entrinnen gelang. Es kamen kosakische Freibeuter, aber auch ukrainische Patrioten, Leute aus der Anhängerschaft schon des Stenka Rasin und wieder des Mazeppa. Es kamen die Barfüßler. Es kamen Verbrecher. Es kamen Mörder, Räuber und Diebe, sie alle, denen der Kettenweg nach Sibirien drohte. Sie alle kamen und wurden hier Brüder vom Gesindel, doch Brüder in Freiheit.
Die Form dieser Brüderschaft war noch nicht die der Verschwörung. Aber die Taktik der Nihilisten kündigte sich schon unter den Sektierern an. Geheime Beziehungen wurden zwischen den Gemeinden unterhalten, wie hernach zwischen den „Gruppen“. Verfolgte wurden verborgen, falsche Pässe wurden ausgefertigt, und wie man später Proklamationen zusteckte, so wurden damals Hostien, Reliquien und verbotene Postillen geschmuggelt. In den geläuterten Brüderschaften der Stundisten, der Molokanen oder der Duchoborzen, deren Anhänger sich um ein ausgeklügeltes Sonderideechen zu sammeln pflegten, wurde dieser religiöse Nihilismus schließlich ganz brav, ehrbar und pietistisch-tugendhaft. Aber auch von ihnen, freilich auch von den Popenfamilien, in denen auf den orthodoxen Vater der problematische Sohn folgte, ging die nihilistische Unterschichtung des russischen Volkes weiter aus. Noch Raskolnikoff, in dessen Hirn statt der harmlosen Beunruhigung, wie man den Namen des Heilandes richtig zu schreiben habe, die gefährliche Frage nach Gut und Böse wühlte, trug von den Raskolniki den Familiennamen und gehörte ihnen nicht nur nach der Abstammung sondern auch in der Anlage an.