„Ja aber – Sie selbst sind doch dieser edle Mensch, der Lebädkin versichert hat, daß nicht dreihundert, sondern tausend geschickt worden sind! Der Hauptmann hat es mir in der Filippoffschen Kneipe, betrunken wie immer, selbst mitgeteilt.“

„Das ... das ist ein unglückliches Mißverständnis. Jemand hat sich geirrt und es ist ... ein Blödsinn – und Sie sind gemein!“

„Ja, ich will gewiß gerne glauben, daß es reiner Blödsinn ist. Ich bin sogar tief betrübt, daß man das ehrenwerte Mädchen in die Geschichte hineingezogen hat. Erstens mit den siebenhundert Rubeln, und zweitens weiß jetzt alle Welt, daß sie mit Nicolai Stawrogin intim befreundet gewesen ist. Was kostet es denn Seine Hochwohlgeboren, den jungen Stawrogin, ein ehrenwertes Mädchen zu schänden, oder auch eine fremde Frau zu beschimpfen, wie es mein ‚Fall‘ war? Kommt ihnen dann noch ein großmütiger Mensch unter die Finger, so zwingen sie ihn, mit seinem ehrlichen Namen fremde Sünden zu decken. Genau so hab ich’s doch erleben müssen! Ich rede ja nur von mir ...“

„Hüten Sie sich, Liputin!“ Stepan Trophimowitsch erhob sich drohend. Er war totenblaß.

„Glauben Sie ihm nicht, glauben Sie nicht! Jemand hat sich geirrt und Lebädkin ist immer betrunken!“ rief der Ingenieur in unbeschreiblicher Aufregung aus. „Alles wird sich aufklären, aber ich kann nicht mehr ... ich halte es für eine Gemeinheit ... und genug ... genug!“

Er stürzte aus dem Zimmer.

„Aber wohin denn, was haben Sie? Ich gehe doch mit Ihnen!“ rief Liputin erschrocken, sprang auf und lief ihm nach.

VII.

Stepan Trophimowitsch stand einen Augenblick wie in Gedanken versunken da, er sah auch mich an, doch ohne mich zu sehen, und schließlich ergriff er Hut und Stock und verließ langsam das Zimmer. Ich ging ihm nach. Erst als er aus der Tür trat, bemerkte er mich.

„Ach ja, Sie können mein Zeuge sein ... de l’accident. Vous m’accompagnerez, n’est-ce pas?“[47]