„Alexei Nilytsch wird ihn schon aufheben. Wissen Sie, was ich eben von ihm erfahren habe? – das Verschen haben Sie doch gehört? Nun, er hat dieselben Verse an die ‚Amazonenkönigin‘ aufgeschrieben und wird sie morgen Lisaweta Nicolajewna mit seiner vollen Unterschrift zusenden. Was sagen Sie dazu?“
„Ich könnte wetten, daß Sie ihn dazu beredet haben.“
„Dann würden Sie verlieren!“ Liputin lachte. „Verliebt, verliebt, wie ein Kater. Aber wissen Sie auch, daß die Liebe mit Haß begonnen hat? Er haßte Lisaweta Nicolajewna, weil sie reitet, und zwar dermaßen, daß er sie laut auf der Straße zu beschimpfen anfing. Das hat er wahrhaftig getan! Noch vorgestern hat er auf sie geschimpft, als sie vorüberritt. Zum Glück hat sie nichts gehört. Und jetzt plötzlich Gedichte! Wissen Sie auch, daß er einen Antrag riskieren will? Im Ernst, im Ernst!“
„Wie kommt es, Liputin, daß überall, wo sich Schmutz ansammelt, Sie dabei sind und womöglich noch eine führende Rolle spielen?“ fragte ich ruhig, aber innerlich rasend vor Wut.
„Nun, Herr G–ff, Sie gehen etwas weit. Das Herzchen hat wohl geschlagen, als es vom Nebenbuhler hörte, wie?“
„Wa–as?“ schrie ich und blieb stehen.
„Ja, aber jetzt werde ich Ihnen zur Strafe nichts mehr sagen! Und wie gern würden Sie doch noch mehr wissen! Schon allein, daß dieser Narr jetzt nicht mehr ein gewöhnlicher Hauptmann ist, sondern Gutsbesitzer unseres Gouvernements und noch dazu ein Großgrundbesitzer, da ihm Nicolai Stawrogin sein ganzes Gut, früher zweihundert Seelen stark, vor ein paar Tagen verkauft hat. Bei Gott, ich lüge nicht! Eben hab ich’s erfahren, aber dafür aus der sichersten Quelle. So, und nun krabbeln Sie mal mit Ihrem Verstande allein weiter, mehr sage ich nicht. Auf Wiedersehen!“
X.
Stepan Trophimowitsch erwartete mich mit hysterischer Ungeduld. Er war vor einer Stunde zurückgekehrt und noch wie betrunken, als ich eintrat. Wenigstens die ersten fünf Minuten hielt ich ihn nicht für ganz nüchtern, so sehr hatte ihn der Besuch bei Drosdoffs aus dem Gleichgewicht gebracht.
„Mon ami, ich habe meinen Faden nun vollständig verloren. Lise ... ich liebe und verehre diesen Engel wie früher, namentlich wie früher; aber mir scheint, sie haben mich nur erwartet, um etwas von mir zu erfahren, um etwas aus mir herauszuquetschen und dann – geh mit Gott! ... Das ist so!“