Es ging bei uns damals das dunkle, aber glaubwürdige Gerücht, Schatoffs Frau hätte mit Nicolai Stawrogin in Paris eine Zeitlang gelebt, und zwar gerade vor etwa zwei Jahren, also in eben der Zeit, als Schatoff in Amerika war – freilich schon lange nachdem sie ihn in Genf verlassen hatte. „Wenn es sich so verhält, was plagte ihn dann, mir jetzt diesen Namen zu nennen und das ... noch breitzutreten?“ fragte ich mich.
„Ich habe sie ihm bis heute noch nicht zurückgegeben,“ sagte er, sich wieder zu mir wendend, und nachdem er mich kurz, aber prüfend angesehen hatte. Dann setzte er sich wieder. Und plötzlich fragte er mich schroff und schon in ganz anderem Tone:
„Sie sind natürlich mit einer bestimmten Absicht zu mir gekommen; was wünschen Sie?“
Ich erzählte ihm sofort alles und betonte besonders, daß ich Lisa unter allen Umständen helfen und das ihr gegebene Wort halten möchte. Auch beteuerte ich ihm, daß sie ihn mit der Buchangelegenheit keineswegs habe beleidigen wollen, daß er sie völlig mißverstanden haben müsse. Sein plötzlicher Aufbruch habe sie denn auch aufrichtig betrübt.
Er hörte mich sehr aufmerksam an.
„Vielleicht habe ich in der Tat wieder einmal eine Dummheit gemacht ... Aber wenn sie nicht verstanden hat, warum ich fortging – um so besser für sie!“
Er stand auf, ging zur Tür, öffnete sie und horchte hinaus.
„Sie wollen sie selbst sehen?“
„Ja, das ist es ja eben! Wie ließe sich das machen?“ Ich erhob mich schon erfreut.
„Gehen wir ganz einfach hin, solange sie noch allein ist. Lebädkin darf natürlich nicht erfahren, daß wir bei ihr gewesen sind, sonst peitscht er sie wieder. Heimlich gehe ich oft zu ihr. Gestern habe ich ihn gründlich geprügelt, als er sie wieder zu schlagen anfing.“