„Ich habe dir, Marja Timofejewna, einen Gast gebracht,“ erwiderte Schatoff.

„Gut, der Gast soll mir willkommen sein. Ich weiß nicht, wen du da mitgebracht hast, ich glaube aber, solch einen habe ich noch nie gesehen.“ Dabei sah sie mich, über das Licht hinweg, aufmerksam an. Gleich darauf wandte sie sich jedoch wieder zu Schatoff, und zu diesem allein sprach sie dann auch die ganze Zeit (mich aber beachtete sie weiter überhaupt nicht mehr, ganz als wäre ich gar nicht anwesend).

„Es wurde dir wohl langweilig, da oben im Dachkämmerlein einsam umherzugehen?“ fragte sie lachend. Da sah ich, daß sie sehr schöne Zähne hatte.

„Auch das, aber vor allem wollte ich dich wieder einmal besuchen.“

Schatoff zog eine Bank an den Tisch, setzte sich, und wies auch mir einen Platz neben sich an.

„Unterhaltung habe ich immer gern, nur bist du so drollig, Schatuschka, bist ganz wie ein Mönch! Wann hast du dich zum letztenmal gekämmt? Komm her, ich werde es wohl wieder tun müssen“ – und sie zog aus ihrer Kleidertasche einen Kamm. „Du hast wohl seit dem letzten Mal, als ich dich kämmte, dein Haar überhaupt nicht mehr angerührt.“

„Ja, wie soll ich denn? Ich habe doch keinen Kamm,“ sagte auch Schatoff heiter.

„Wirklich nicht? Warte mal, dann werde ich dir meinen schenken, nicht diesen, einen andern ... nur mußt du mich daran erinnern.“

Und mit dem ernsthaftesten Gesicht machte sie sich daran, ihn zu kämmen, zog ihm sogar auf der Seite einen Scheitel, bog sich dann zurück, um zu sehen, ob er gut geraten war – und steckte schließlich den Kamm wieder in die Tasche.

„Weißt du was, Schatuschka?“ sagte sie und schüttelte dabei den Kopf, „du bist doch ein vernünftiger Mensch und trotzdem grämst du dich. Es wird mir ganz sonderbar, wenn ich euch alle so sehe: ich verstehe nicht, wie können Menschen sich grämen und immer traurig sein? Sehnsucht ist doch nicht Traurigkeit. Mir ist immer froh zu Mut.“