„Aber das ist doch nur zu verständlich!“ rief endlich Wassin (er fuhr immer noch fort, zu lächeln und schien sich nicht im geringsten über mich zu wundern). „Das ist doch immer so, und fast bei allen Menschen, und ist sogar das erste, was geschieht; nur gesteht das kein Mensch ein, und das braucht man ja auch gar nicht einzugestehen; denn das vergeht, und jedenfalls entsteht nichts daraus.“

„Sollte das wirklich bei allen Menschen so sein? Sind alle so? Und Sie sind, während Sie das sagen, sogar ganz ruhig? Aber mit einer solchen Anschauung kann man doch nicht leben!“

„Und Ihre Anschauung ist wohl:

‚Teurer, als uns erhöhender Trug,

Ist mir die Finsternis niederer Wahrheit!‘?“

„Aber das ist doch richtig!“ rief ich, „in diesen zwei Versen liegt ja ein heiliges Axiom!“

„Ich weiß nicht; ich will mir darüber kein Urteil erlauben, ob diese zwei Verse das Richtige sagen oder nicht. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit, wie das ja immer der Fall ist, irgendwo in der Mitte: das heißt, in einem Fall ist es heilige Wahrheit, im anderen aber – Lüge. Eines nur weiß ich genau: daß diese Frage noch lange einer der wichtigsten strittigen Punkte unter den Menschen sein wird. Doch abgesehen davon, scheint mir, daß Sie jetzt Lust zum Tanzen haben. Na, nur los: Bewegung ist gesund! – Mir aber hat man gerade heute so viel Arbeit aufgepackt ... und da ist es nun über der Unterhaltung mit Ihnen schon so spät geworden ...“

„Ich gehe schon, gehe schon, packe mich sofort! Nur noch ein Wort,“ rief ich und hatte schon meinen Koffer erfaßt, „wenn ich mich Ihnen jetzt wieder ‚an den Hals geworfen‘ habe, so habe ich das einzig deshalb getan, weil Sie, als ich eintrat, mit so aufrichtiger Freude diese Neuigkeit mir mitteilten und sich darüber ‚freuten‘, daß ich Sie noch zu Hause antraf, und das alles nach meiner Bemerkung am Morgen bezüglich des ‚Debüts‘; mit dieser aufrichtigen Freude haben Sie mein ‚junges Herz‘ im Nu wieder Ihnen zugewandt. Na, aber jetzt adieu, leben Sie wohl, ich werde mich bemühen, möglichst lange Sie nicht wieder zu besuchen, und ich weiß, daß Ihnen das höchst angenehm sein wird, was ich schon Ihren Augen ansehe, und uns beiden wird das noch zum Vorteil gereichen ...“

Während das so aus mir hervorsprudelte und mir fast der Atem ausging vor fröhlich sich überstürzendem Geplauder, schleppte ich meinen Koffer aus dem Zimmer und begab mich dann mit ihm nach meiner neuen Wohnung. Vor allem gefiel mir furchtbar, daß Werssiloff am Morgen so ersichtlich böse auf mich gewesen war, daß er mich nicht einmal hatte ansehen, noch mit mir sprechen wollen. Als ich meinen Koffer in meinem neuen Zimmer abgestellt hatte, eilte ich sogleich zu meinem alten Fürsten. Ich muß gestehen, in diesen zwei Tagen war es mir ohne ihn sogar ein wenig schwer geworden. Und zudem mußte er von Werssiloffs Tat doch sicherlich schon gehört haben.

II.