„Absichten! Hat sie nicht Lust, das hier kennen zu lernen?“ rief ich unwillig und zeigte meine Faust.
„Mon cher, sprich nicht so laut, das ist alles so, wie es ist, und du hast meinetwegen recht von deinem Standpunkt aus. Apropos, mein Freund, was geschah mit dir eigentlich das vorige Mal nach Katerina Nikolajewnas Erscheinen? Du schwanktest ... ich dachte, du fielest um, und wollte schon zu dir eilen, um dich zu stützen?“
„Sprechen wir jetzt nicht davon. Ich ... ich war einfach verwirrt, aus einem bestimmten Grunde ...“
„Du bist auch jetzt wieder rot geworden.“
„Und Sie müssen das natürlich gleich breittreten. Sie wissen doch, daß sie mit Werssiloff verfeindet ist ... na, und so alles das; und so war ich denn einfach erregt, – ach, lassen wir das jetzt, reden wir darüber nächstens einmal!“
„Gut, gut, lassen wir das, lassen wir das, ich bin ja selbst froh, von alledem nicht sprechen zu müssen ... Wie dem auch sei, ich habe ihr großes Unrecht getan, ich habe dir sogar, erinnerst du dich, noch über sie vorgeklagt ... Vergiß das, mein Freund; sie wird gleichfalls ihre Meinung über dich ändern, das fühle ich schon voraus, verlaß dich drauf ... Ah, da ist ja der Fürst Sserjosha!“
Ins Kabinett trat ein junger und hübscher Offizier. Ich sah ihn begierig an, ich hatte ihn noch nie gesehen. Das heißt, ich sage ‚hübsch‘, wie das alle von ihm sagten, aber in diesem jungen und hübschen Gesicht lag etwas, was nicht ganz anziehend war. Ich erwähne das hier als ersten Eindruck, den ich im ersten Augenblick von ihm empfing, und den ich dann die ganze Zeit nicht mehr habe vergessen können. Er war mager, prachtvoll gewachsen, dunkelblond, hatte ein frisches, aber doch etwas gelbliches Gesicht und einen entschlossenen Blick. Seine schönen dunklen Augen blickten etwas streng und hart, auch wenn er ganz gelassen war. Aber gerade sein entschlossener Blick stieß ab, und zwar, weil man aus irgendeinem Grunde das Gefühl hatte, daß diese Entschlossenheit ihm gar zu billig zu stehen komme. Übrigens, ich verstehe das nicht auszudrücken ... Freilich, der strenge Ausdruck seines Gesichts konnte sehr schnell wechseln und sich plötzlich in einen erstaunlich freundlichen, bescheidenen und zärtlichen verwandeln, und dabei geschah die Verwandlung ersichtlich mit aller Aufrichtigkeit und Echtheit. Diese seine Aufrichtigkeit wirkte ungemein anziehend. Und ich erwähne noch einen Zug: trotz aller Freundlichkeit und Aufrichtigkeit wurde dieses Gesicht niemals fröhlich, nicht einmal wenn der Fürst aus vollem Herzen lachte, – selbst dann fühlte man gleichsam, daß eine wirkliche, helle, leichte Fröhlichkeit niemals in seinem Herzen war ... Übrigens ist es außerordentlich schwer, einen Menschen so zu beschreiben. Das verstehe ich gar nicht. Der alte Fürst beeilte sich sofort, nach seiner dummen Angewohnheit, uns bekanntzumachen.
„Dies ist mein junger Freund Arkadi Andrejewitsch (wieder sagte er Andrejewitsch!) Dolgoruki.“
Der junge Fürst wandte sich mir sofort mit doppelt höflichem Gesichtsausdruck zu; man sah aber, daß mein Name ihm völlig unbekannt war.
„Es ist ... ein Verwandter Andrei Petrowitschs,“ raunte ihm mein abscheulicher Fürst zu. (Wie sie einen mitunter ärgern können, diese alten Herren mit ihren Angewohnheiten!) Der junge Fürst erriet nun sofort, wer ich war.