„Ich habe immer darauf gewartet, daß du klüger werden würdest. Ich habe Sie, mein Herr, von Anfang an durchschaut, und wie ich Sie, Arkadi Makarowitsch, durchschaut hatte, da dachte ich bei mir: ‚Er wird schon zu mir kommen, es wird ja bestimmt damit enden, daß er kommt,‘ – nun, und so nahm ich mir vor, diese Ehre Ihnen zu überlassen, als erster den Schritt zu tun. ‚Nein,‘ dachte ich, ‚mach du mir erst mal den Hof!‘“

„Ach, du Kokette! Na, Lisa, gestehe mal ehrlich: Hast du in diesem Monat über mich gelacht oder nicht?“

„Oh! – du bist so komisch, du bist furchtbar komisch, Arkadi! Und weißt du, vielleicht habe ich dich gerade deswegen am meisten geliebt in diesem Monat, – weil du solch ein Sonderling bist. Aber du bist in vielen Dingen auch ein häßlicher Sonderling – das sage ich dir, damit du mir nicht zu stolz wirst. Aber weißt du auch, wer noch über dich gelacht hat? Mama hat über dich gelacht, mit mir zusammen: ‚So ein drolliger Kauz,‘ flüsterte sie mir dann zu, ‚sieh nur, was für ein drolliger Kauz!‘ Du aber sitzt und denkst dabei, wir säßen und zitterten vor dir.“

„Lisa, wie denkst du über Werssiloff?“

„Ich halte sehr viel von ihm; aber weißt du, wir wollen jetzt lieber nicht über ihn sprechen. Heute brauchen wir nicht über ihn zu sprechen, nicht wahr?“

„Ja, du hast recht! Nein, du bist wirklich furchtbar klug, Lisa! Du bist unbedingt klüger als ich. Warte nur, Lisa, ich mache mit alledem ein Ende, und vielleicht sage ich dir dann etwas ...“

„Warum machst du nun ein so finsteres Gesicht?“

„Nein, ich mache kein finsteres Gesicht, Lisa, das war nur so ... Sieh, Lisa, ich spreche es lieber offen aus: das ist so eine meiner Eigenheiten, daß ich es nicht liebe, wenn man manches Empfindliche, was man so in der Seele hat, mit den Fingern anrührt ... oder sagen wir: wenn man gewisse Gefühle oft anderen aufdeckt oder sie hervorzieht, damit alle sie sehen, so ist das doch eine Schande, nicht wahr? Deshalb ziehe ich es vor, düster zu sein und zu schweigen. Du bist klug, du mußt das verstehen.“

„Nicht nur das, ich bin auch selbst so; ich habe dich in allem verstanden. Weißt du auch, daß auch Mama so ist?“

„Ach, Lisa! Wenn man nur länger auf Erden leben könnte! Wie? Was sagtest du?“