„Ja, also, was ich sagen wollte, – das hat sich nämlich noch zu Nikolais des Ersten Zeiten zugetragen,“ wandte sich Pjotr Ippolitowitsch nervös und mit einer gewissen Pein zu mir, als litte er schon im voraus unter der Möglichkeit, daß seine Geschichte keinen Eindruck machen könnte. „Sie kennen doch diesen Stein, – plötzlich so ein großer Stein auf der Straße: warum? wozu? – er stört doch nur, nicht wahr? Majestät fuhren mehrere Mal den Weg, und jedesmal war dieser Stein da. Schließlich mißfiel das Majestät, und es ist doch auch wahr: so ein ganzer Berg, auch noch mitten auf der Straße, er ist doch nur im Wege, nicht wahr? ‚Der Stein ist zu beseitigen!‘ sagt Majestät. Nun, einmal gesagt, ist zu beseitigen – Sie verstehen, was das heißt, dieses ‚ist‘ und ‚zu beseitigen‘? Man weiß doch, wie der Selige war. Also: was tun mit diesem Stein? Alle verloren den Kopf. Da war nämlich die Stadtduma, und dann hauptsächlich war da, ich weiß nicht mehr wer, nämlich einer von unseren Aristokraten, damals die erste Persönlichkeit, und dieser hatte für alles aufzukommen. Und dieser selbe Würdenträger hört sie nun alle an, die Ratgeber nämlich: fünfzehntausend Rubel werde es kosten, sagen sie, nicht weniger, und in Silber (denn in der Regierungszeit des Seligen stand das Metallgeld höher im Wert als das Papiergeld). ‚Was, fünfzehntausend, Blödsinn!‘ sagt der Würdenträger. Die Engländer wollten nämlich zuerst Schienen legen bis zum Stein und ihn mit Dampfkraft fortschaffen; aber was hätte das gekostet? Eisenbahnen gab es doch damals bei uns noch nicht, nur die eine nach Zarskoje Sselo, die ging schon ...“

„Ach was, man hätte ihn doch einfach zersägen können,“ sagte ich mit wachsendem Verdruß; ich ärgerte mich und schämte mich vor Werssiloff; er aber hörte mit sichtlichem Vergnügen zu. Ich begriff, daß auch er über die Anwesenheit des Wirtes froh war; denn mit mir allein zu sein, wäre auch ihm peinlich gewesen, und er schämte sich sogar vor mir, das sah ich; ich weiß noch, ich empfand das fast als rührend von ihm.

„Jawohl, jawohl, gerade das war’s ja auch, worauf man dann verfiel, und es verfiel darauf von allen nur Monferrand, der nämlich damals gerade die Isaakskirche baute. ‚Zersägen und fortführen,‘ riet er. Jawohl, aber was wird das kosten?“

„Nichts kostet das, man zersägt einfach und führt die Stücke fort.“

„Nein, erlauben Sie, da muß man doch eine Maschine aufstellen, eine Dampfmaschine, und dann: wohin fortführen? Und dazu solch einen Riesenstein, fast wie ein Berg? Zehntausend, sagt man, weniger wird es nicht kosten, zehn- oder zwölftausend.“

„Hören Sie mal, Pjotr Ippolitowitsch, das ist doch barer Unsinn, das kann doch nicht so gewesen sein ...“ Aber da blinzelte mir Werssiloff heimlich zu, und in diesem geheimen Zeichen, das er mir gab, lag so viel feinfühlendes Mitgefühl mit meinem Wirt, ja sogar ein so aufrichtiges Leiden für ihn, daß mir das ungeheuer gefiel, und ich begann zu lachen.

„Ja ... ja ...“ freute sich mein Wirt, der natürlich nichts bemerkt hatte und nur fürchtete, wie alle diese Erzähler, daß man ihn durch Fragen aus dem Text bringen könnte. „Ja, und da kommt nun gerade ein Kleinbürger des Weges gegangen, ein noch junger Mann, so, wissen Sie, ein echter Russe, Vollbart und Hemdbluse, und womöglich mit so einem kleinen Rausch ... oder nein, berauscht war er nicht. Und da steht nun dieser Kleinbürger und hört zu, wie sie da beraten, nämlich die Engländer und der Monferrand; und dieser Würdenträger, die Hauptperson, ist gerade im Wagen angefahren gekommen, hört sie an und ärgert sich: wie sie sich da so lange beraten und doch nicht Rat zu schaffen wissen! Und da fällt sein Blick auf diesen Kleinbürger, auf denselben nämlich, der etwas weiter fort steht, zuhört und so etwas falsch lächelt, das heißt, nicht falsch, ich habe mich nicht richtig ausgedrückt, aber so, nämlich sozusagen etwas ... etwas ...“

„Spöttisch,“ half ihm Werssiloff vorsichtig.

„Spöttisch, ja, das ist das Wort, das heißt, ein wenig spöttisch, nämlich so mit einem gutmütigen russischen Lächeln, genau so, wissen Sie. Nun, dem Würdenträger war das natürlich wieder ein Grund zum Ärger, man weiß ja, wie das ist: ‚Heda, du, was hältst du hier Maulaffen feil? Wer bist du?‘

‚Ja so,‘ sagt er, ‚ich sehe mir das Steinchen an, Euer Gnaden.‘ Gerade so sagte er, nämlich zu dem Würdenträger. – Ja, war das nicht am Ende Fürst Ssuworoff Italijski selber, das heißt ein Nachkomme des alten Feldmarschalls ...? Oder nein, das war kein Ssuworoff, – schade, ich hab’s nämlich vergessen, wer es war, nur war er, wissen Sie, wenn auch Durchlaucht und was nicht alles, so doch ein echter Russe, so ein russischer Typus, Patriot, mit einem verstehenden russischen Herzen; na, er erriet sofort: