III.

„... mit einem Wort, ich liebe die Frauen nicht, weil sie roh sind, weil sie ungeschickt sind, weil sie unselbständig sind, und weil sie unanständige Kleider tragen!“ schloß ich nicht gerade logisch meine lange Tirade.

„Hab’ Erbarmen! Hab’ Erbarmen!“ fiel er mir unsäglich erheitert ins Wort, was mich noch mehr erboste.

Ich pflege nur in Kleinigkeiten nachgiebig zu sein, in wichtigen Fragen dagegen gebe ich nie nach. In Kleinigkeiten, oder wenn es sich z. B. um irgendwelche gesellschaftlichen Anforderungen handelt, kann man Gott weiß was alles mit mir machen – und diesen Zug werde ich ewig an mir verwünschen. Zuweilen bin ich einfach aus geradezu stinkender Gutmütigkeit bereit, selbst dem erstbesten Geck beizustimmen, einzig, weil mich seine Höflichkeit gefangen nimmt, oder ich lasse mich mit einem Dummkopf in einen Streit ein, was noch unverzeihlicher ist. Doch das kommt nur daher, daß ich keine Ausdauer habe und im Winkel aufgewachsen bin, und ich ärgere mich dann jedesmal weidlich über mich selbst, aber am nächsten Tage geschieht dasselbe. Und das ist auch der Grund, warum man mich bisweilen fast für einen Sechzehnjährigen gehalten hat. Doch anstatt mir nun Ausdauer und bessere Umgangsformen anzugewöhnen, ziehe ich es auch jetzt noch vor, mich noch mehr in meinen Winkel zu verkriechen, und das meinetwegen sogar auf die menschenfeindlichste Weise. „Nun gut, dann bin ich ungeschickt! Ich gehe, und – lebt wohl!“ – d. h. ihr geht mich nichts an. Das sage ich jetzt vollkommen im Ernst und ein für allemal. Übrigens schreibe ich es diesmal nicht etwa nur anläßlich dieses Zwischenfalles mit dem Fürsten, und auch nicht einmal anläßlich jenes Gesprächs. „Ich rede nicht, um Sie zu erheitern!“ schrie ich ihn beinahe an. „Ich habe nur meine Überzeugung ausgesprochen!“

„Aber inwiefern sind denn die Frauen roh und weshalb unanständig gekleidet? Das ist mir neu!“

„Doch! Sie sind roh! – gehen Sie ins Theater, gehen Sie auf die Promenade und sehen Sie einmal zu: jeder Herr weiß, wo rechts und wo links ist, sie begegnen sich und gehen aneinander vorüber, er biegt nach rechts aus, und ich biege nach rechts aus. Die Frau dagegen, das heißt, die Dame – ich rede von den Damen – die rennt schnurstracks auf einen los, ohne einen auch nur zu bemerken, ganz, als wäre man unbedingt verpflichtet, zur Seite zu treten und ihr den Weg freizugeben. Ich bin ja gern bereit, ihr, als einem schwächeren Geschöpf, den Weg freizugeben, warum aber tut sie, als wäre es ihr Vorrecht, warum ist sie so fest überzeugt, daß ich es tun muß – das ist es, was mich kränkt! Ich habe immer ausgespien, wenn ich so einer begegnet bin. Und dann schreien sie noch, sie seien erniedrigt und verlangen Gleichberechtigung! Wo ist hier Gleichberechtigung, wenn sie mich unter die Füße tritt oder mir Sand in den Mund wirbelt!“

„Sand?!“

„Ja! Denn sie sind unanständig gekleidet – das kann nur einem Lebemann nicht auffallen. Werden doch bei Gerichtsverhandlungen die Türen geschlossen, wenn es sich um Unanständigkeiten handelt, warum erlaubt man sie dann auf der Straße, wo doch noch mehr Menschen zugegen sind? Sie binden sich öffentlich Seidenrüsche unter den Rock, um belle femme[2] zu sein, – öffentlich! Ich kann es doch unmöglich nicht bemerken, ein Jüngling wird es doch ebenso bemerken, und ein Kind, ein kaum erwachender Knabe gleichfalls! Das ist einfach schändlich! Alte Lüstlinge mögen sich daran ergötzen und ihnen mit heraushängender Zunge nachlaufen, aber es gibt doch eine reine Jugend, die man schonen muß ... Bleibt also nichts übrig, als auszuspeien. Da geht sie auf dem Boulevard und wirbelt mit ihrer zwei Meter langen Schleppe den Staub auf! – danke fürs Vergnügen, dann hinter ihr zu gehen! Also lauf entweder voraus oder spring zur Seite; denn sonst fegt sie einem mit ihrer Schleppe fünf Pfund Sand in Ohren, Mund und Nase. Und zudem ist es noch Seide, was sie so drei Werst weit auf den Straßensteinen nachschleift, nur weil es mal Mode ist, während ihr Mann sich als Beamter in seiner Kanzlei auf nicht mehr als fünfhundert Rubel jährlich steht. Sehen Sie, da sitzen die Sporteln! Ich habe immer ausgespien, wenn ich solch einer begegnet bin, ganz öffentlich ausgespien und geschimpft.“

Ich gebe dieses Gespräch jetzt allerdings mit Humor und zugleich mit meiner derzeitigen Charakteristik wieder, doch selbstverständlich bin ich auch heute noch ganz derselben Meinung.

„Und es ist immer noch gut abgegangen?“ fragte der Fürst neugierig.