„Auch das weiß ich nicht, Fürst; ich weiß nur, daß es etwas unglaublich Einfaches sein muß, das Alltäglichste und Unverborgenste, etwas Tagtägliches und Allstündliches, etwas dermaßen Gewöhnliches, daß wir einfach nicht glauben können, dieses Einfache könnte es sein, und deshalb gehen wir schon so viele Jahrtausende an ihm vorüber, ohne es zu bemerken und zu erkennen.“

„Ich wollte nur sagen, daß Ihre Idee vom Adel gleichzeitig eine Verneinung des Adels ist,“ sagte der Fürst.

„Nun, wenn Sie es denn durchaus wollen, so – hat es einen Adel bei uns vielleicht niemals gegeben.“

„Was Sie da sagen ist alles sehr dunkel und unklar. Ich denke, wenn man schon spricht, muß man seinen Gedanken auch erklären ...“

Der Fürst runzelte die Stirn und blickte flüchtig nach der Kaminuhr. Werssiloff erhob sich und nahm seinen Hut.

„Erklären!“ sagte er, „nein, lieber nicht; und überdies ist es meine Leidenschaft – zu sprechen, ohne zu erklären. In der Tat, so ist es. Und dann noch eine Eigenheit: Geschieht es einmal, daß ich einen Gedanken, an den ich selbst glaube, zu erklären anfange, so ist es bisher immer geschehen, daß ich zum Schluß der Erklärung an das Erklärte selbst zu glauben aufhöre; dem fürchte ich mich auch heute auszusetzen. Auf Wiedersehen, teurer Fürst; bei Ihnen rede ich immer unverzeihlich viel.“

Er ging hinaus; der Fürst gab ihm höflich das Geleit, ich aber fühlte mich gekränkt.

„Warum schauen Sie denn so finster drein?“ fuhr er mich plötzlich geradezu an und ging, ohne mich anzusehen, zu seinem Schreibtisch.

„Wenn ich finster dreinschaue,“ begann ich mit einem Zittern in der Stimme, „so tue ich es deshalb, weil ich finde, daß Ihr Ton mir und sogar Werssiloff gegenüber sich so sonderbar verändert hat, weshalb ich ... Allerdings, Werssiloff begann vielleicht etwas zu reaktionär, aber dann hat er das doch wieder gutgemacht und ... in seinen Worten lag ein tiefer Sinn, aber Sie haben das vielleicht gar nicht verstanden und ...“

„Ich will einfach nicht, daß man sich unterfängt, mich zu belehren, und mich für einen Schuljungen hält!“ schnitt er mir fast wütend das Wort ab.