Als sie jetzt eintrat, fühlte ich sofort, daß sie mich unbedingt wieder angreifen würde; ja, ich war bis zu einem gewissen Grade sogar überzeugt, daß sie eigentlich nur zu dem Zweck gekommen war, und deshalb benahm ich mich auf einmal recht ungezwungen und flott; und das kostete mich auch nicht die geringste Anstrengung, da ich mich nach dem letzten Erlebnis immer noch in strahlend freudiger Stimmung befand. Ich möchte hier ein für allemal bemerken, daß Flottheit in meinem ganzen Leben nicht zu mir gepaßt hat, das heißt, sie paßt nun einmal nicht zu meinem Gesicht und hat mir bisher auch immer nur Schande gebracht. So geschah es auch jetzt: im Augenblick legte ich mich selbst hinein. Da es mir zufällig auffiel, daß Lisa so wortkarg war, bemerkte ich plötzlich, rein aus Leichtsinn, ohne jede böse Absicht und überhaupt ganz unbedacht:
„Alle Jubeljahre einmal esse ich hier bei euch, und da mußt du, Lisa, ausgerechnet heute so trübselig sein!“
„Ich habe Kopfschmerzen,“ erwiderte Lisa.
„Ach, mein Gott, so hört doch nur!“ fuhr Tatjana Pawlowna sogleich auf, „darf sie denn nicht auch einmal Kopfschmerzen haben? Bloß weil der hochverehrte Arkadi Makarowitsch zum Essen herüberzukommen geruht hat, muß sie gleich tanzen und ihn amüsieren!“
„Sie sind wahrhaftig das Unglück meines Lebens, Tatjana Pawlowna! Nie wieder werde ich herkommen, wenn Sie hier sind!“ Ich schlug in ehrlichem Ärger mit der Hand auf den Tisch; Mama fuhr zusammen, und Werssiloff sah mich sonderbar an. Da lachte ich auf und entschuldigte mich.
„Tatjana Pawlowna, ich nehme mein Wort zurück,“ wandte ich mich an sie und fuhr immer noch fort, den Flotten zu spielen.
„Nein, nein,“ wehrte sie kurz ab, „es ist mir viel schmeichelhafter, dein Unglück zu sein, als umgekehrt, sei versichert!“
„Mein Lieber, die kleinen Unglücksfälle des Lebens muß man übersehen können,“ meinte Werssiloff lächelnd, „ohne Unglück lohnt es sich nicht zu leben.“
„Wissen Sie, Sie sind mitunter schrecklich konservativ,“ rief ich und lachte nervös.
„Mein Freund, das ist nebensächlich.“