„Davon habe ich gleichfalls gehört. Selbstverständlich ist das nur dummes Geschwätz.“

„Ich versichere dir bei allem, was heilig ist, es war so. Betrachte ihn nur aufmerksamer ... Übrigens – du sagst, er habe sich verändert. Nun, aber damals – wie hat er uns da alle gehetzt und gequält! Wirst du’s mir glauben, er hielt sich doch, als ob er ein Heiliger wäre und sein Leib nach dem Tode nicht verwesen würde. Seine Gebeine also Reliquien! Er verlangte von uns Rechenschaft über unser Leben, ich schwöre es dir! Reliquien! En voilà une autre![16] Nun gut, ich will ja nichts sagen, wenn es irgend so ein Mönch oder Einsiedler ist, – ein Mensch aber, der hier unter uns im Frack einhergeht ..., und auch alles übrige wie es sich gehört ... und plötzlich – heilige Gebeine! ... Ein seltsamer Wunsch für einen Gentleman, und, offengestanden, auch ein recht sonderbarer Geschmack. Das heißt, ich will ja nichts dagegen sagen; das gehört natürlich alles zur Geschichte der Heiligkeiten, und was kann denn schließlich nicht vorkommen ... Und überdies ist das alles de l’inconnu,[17] aber für einen Menschen, der in der Gesellschaft lebt, ist so etwas doch einfach unschicklich, sogar direkt unstatthaft, meiner Meinung nach. Wenn das zum Beispiel mit mir geschehen sollte, oder sagen wir, wenn man es mir anböte, so würde ich es, mein Wort darauf, doch lieber ablehnen. Wie, heute speise ich im Klub, und dann plötzlich – erscheine ich verklärt! ... Aber ich würde mich doch einfach lächerlich machen! Das habe ich ihm damals auch alles auseinandergesetzt ... Er trug damals nach Art der Büßer Ketten auf dem Leibe.“

Mir stieg vor Zorn das Blut ins Gesicht.

„Haben Sie die selbst gesehen?“

„Selbst habe ich sie nicht gesehen, aber man hat mir ...“

„Dann erkläre ich Ihnen, daß das nichts als Lüge ist, die gemeine Verleumdung seiner Feinde, oder richtiger, seines größten und unmenschlichsten Feindes; denn im Grunde hat er ja überhaupt nur einen einzigen Feind, und dieser ist – Ihre Tochter!“

Jetzt war er es, dem Zornesröte ins Gesicht stieg.

„Mon cher, ich bitte dich und wünsche, daß der Name meiner Tochter hinfort nie mehr vor meinen Ohren mit dieser schändlichen Geschichte in Verbindung gebracht werde.“

Ich erhob mich. Er war empört; sein Kinn zitterte.

„Cette histoire infâme![18] ... Ich habe nicht an sie geglaubt, niemals würde ich an sie glauben, aber ... wenn man mir von allen Seiten sagt: glaube daran, glaube, so ...“