„Aber, mein Gott, was ist denn das für ein abgekartetes Spiel gewesen! Hören Sie, dann hat sie mich doch das alles in Gegenwart einer dritten Person sagen lassen, in Gegenwart von Tatjana Pawlowna? – die hat ja dann alles gehört, was ich ihr vorhin gesagt habe! Aber das ... das ist ja schrecklich, sich auch nur vorzustellen!“
„C’est selon, mon cher. Und überdies hast du ja selbst vorhin von Weitherzigkeit den Frauen gegenüber gesprochen und noch ausgerufen: ‚Es lebe die Weitherzigkeit, die alles zuläßt!‘“
„Wenn ich Othello wäre und Sie Jago, so hätten Sie nicht besser ... übrigens, ich lache! Von einem Othello kann ja hier gar nicht die Rede sein; denn die Verhältnisse sind ja ganz andere. Und wie sollte ich denn nicht lachen! Mag es doch so gewesen sein! Ich glaube dennoch an das, was unendlich hoch über mir steht, und gebe mein Ideal nicht auf ...! Wenn das ein Scherz von ihr war, so verzeihe ich ihr. Ein Scherz mit einem traurigen Jüngling – nun gut! Ich habe mich ja auch als nichts anderes gegeben. Aber der Student – der Student war doch und ist doch, trotz allem, trotz allem, in ihrem Herzen; – denn wenn er schon einmal in ihrem Herzen, in ihrer Seele war, so ist er es noch und wird es bleiben! Doch genug davon! Hören Sie, was meinen Sie: soll ich nicht lieber gleich zu ihr hinfahren, um die ganze Wahrheit zu erfahren?“
Ich sagte zwar: „Ich lache!“ aber mir standen doch Tränen in den Augen.
„Ja? Fahre nur, mein Freund, wenn du Lust hast.“
„Mir ist, als hätte ich damit meine Seele beschmutzt, daß ich Ihnen das alles erzählt habe. Seien Sie mir nicht böse, Liebster, aber über eine Frau, das sage ich nochmals, über eine Frau kann man einem Dritten nichts anvertrauen; der andere wird das doch nicht verstehen, was man ihm anvertraut. Selbst ein Engel würde das nicht verstehen! Wenn du die Frau achtest – suche dir keinen Vertrauten! Wenn du dich selbst achtest – suche dir keinen Vertrauten! Ich achte mich jetzt selbst nicht. Auf Wiedersehen; ich werde mir das nie verzeihen ...“
„Höre doch auf, Lieber, du übertreibst ja. Du sagst doch selbst, daß ‚nichts geschehen‘ sei.“
Wir traten hinaus auf die Straße am Kanal und nahmen Abschied.
„Wirst du mich denn wirklich nie mit kindlicher Liebe küssen, wie ein Sohn seinen Vater?“ fragte er auf einmal mit einem sonderbaren Beben in der Stimme.
Ich küßte ihn glühend.