„Ah! Na was? Bist hinausgeworfen worden? Das ist recht, das ist recht!“ sagte Tatjana Pawlowna.

Ich sank stumm auf den Diwan und sah sie an.

„Aber was ist denn mit ihm?“ Sie betrachtete mich prüfend. „Er zittert ja! – Da, trink mal etwas Wasser, hier ist Wasser, trink! Und jetzt sag, was hast du dort noch angerichtet?“

Ich murmelte etwas davon, daß man mich hinausgeworfen und Bjoring mich auf der Straße gestoßen hatte.

„So? Kannst du jetzt schon etwas verstehen oder noch nicht? Dann nimm mal dies hier, – ließ und freue dich!“

Sie nahm einen Brief vom Tisch, gab ihn mir und blieb erwartungsvoll vor mir stehen. Ich erkannte sofort die Handschrift Werssiloffs: es war ein Brief von ihm an Katerina Nikolajewna. Ich fuhr zusammen, und im Augenblick war auch mein Verstand wieder klar, und ich begriff mit aller Schärfe. Der Inhalt dieses entsetzlichen, schändlichen, verrückten, räuberischen Briefes war buchstäblich folgender:

Sehr geehrte Katerina Nikolajewna!

Obschon ich weiß, wie verderbt Sie Ihrer Natur und Ihrer Anschauung nach sind, habe ich doch gedacht, daß Sie Ihre Leidenschaften manchmal etwas zügeln und es wenigstens nicht auf Kinder absehen würden. Aber Ihre Schamlosigkeit schreckt selbst davor nicht zurück. Ich teile Ihnen mit, daß das Ihnen bekannte Dokument bestimmt nicht verbrannt worden ist und sich auch niemals in den Händen des Herrn Krafft befunden hat, weshalb Sie auf diese Weise nichts erreichen werden. Verderben Sie deshalb nicht zwecklos einen Jüngling. Verschonen Sie ihn, er ist noch nicht volljährig, ist fast noch ein Knabe, ist sowohl geistig wie körperlich noch unentwickelt. Was hätten Sie an diesem Jungen? Ich aber nehme Anteil an ihm, und deshalb wage ich, Ihnen das zu schreiben, wenn ich auch nicht auf einen Erfolg hoffe. Ich habe die Ehre, Ihnen noch mitzuteilen, daß ich eine Abschrift dieses Briefes gleichzeitig an Baron Bjoring sende.

A. Werssiloff.

Ich erbleichte, als ich das las, dann aber schoß mir das Blut plötzlich heiß ins Gesicht, und meine Lippen bebten vor Empörung.