Es ist eine undankbare Arbeit, ohne die Möglichkeit schöner Formung. Auch sind diese Typen in jedem Falle noch erst in der Bildung begriffen und können darum noch gar nicht künstlerisch abgeschlossen sein. Es sind wichtige Fehler möglich, Übertreibungen und Verkennungen. Andererseits muß manches völlig ungesehen bleiben. Jedenfalls wäre man dabei gar zu oft auf ein bloßes Erraten angewiesen. Aber was soll schließlich ein Schriftsteller tun, der nicht nur als Historiker schreiben will, und der von der Sorge um das Gegenwärtige befallen ist? Es verbleibt ihm nichts als – hin- und herraten und ... sich irren.
Aber solche Aufzeichnungen wie die Ihren könnten, glaube ich, als Material für ein späteres Kunstwerk dienen, für ein künftiges Bild einer unordentlichen, halb schon vergangenen Epoche. Oh, wenn die Zeit dieser brennenden Tagesfrage vergangen sein wird und die Zukunft anbricht, dann wird ein künftiger Künstler für die Darstellung selbst der vergangenen Unordnung und des Chaos schon schöne Formen finden. Und dann werden solche ‚Aufzeichnungen‘ wie die Ihren zustatten kommen und als Material verwendet werden können – wenn sie nur aufrichtig sind, mögen sie dabei auch noch so chaotisch und zufällig sein ... Es werden sich wenigstens einige richtige Züge erhalten, aus denen man wird erraten können, was sich in der Seele manch eines Jünglings jener unruhigen Zeit verborgen hat – eine Ermittelung, die nicht ganz unnütz sein dürfte, denn aus den Jünglingen wachsen die Generationen ...“
Fußnoten
[1] Das Fürstengeschlecht der Dolgoruki ist eines der ältesten Fürstenhäuser Rußlands und führt seinen Stammbaum bis auf den Waräger Rjurik zurück. Bei der Einzigartigkeit und Popularität des Namens ist die Annahme, wer „Dolgoruki“ heißt, müsse Fürst sein, nur zu verständlich. E. K. R.
[2] Eine Dorfgeschichte von Grigorówitsch die 1847 den Lesern zu Bewußtsein brachte, „daß auch die Leibeigenen Menschen sind“. E. K. R.
[3] Roman von Drushinin (1849), in dem der Gatte seiner Frau Pólinka deren Liebe zu einem jungen Manne tolerant verzeiht; sie will aber sein Opfer nicht annehmen und bleibt ihm treu. Er stirbt alsbald an der Schwindsucht. (Die russische Kirche ließ Ehescheidung nicht zu.) E. K. R.
[4] Kusnetzki Most – die größte Kaufstraße in Moskau. E. K. R.
[5] Die familiäre Form von Ssergei oder Sergius. E. K. R.
[6] Nach der Aufhebung der Leibeigenschaft (1861) sollten vom Adel gewählte „Friedensvermittler“ die Auseinandersetzungen zwischen den Gutsbesitzern und den Bauern in die Wege leiten. E. K. R.
[7] Es ist in Rußland Sitte, daß die Eltern von den Kindern mit „Sie“ angeredet werden, während die Eltern ihre Kinder duzen. E. K. R.