„Ach nein, daß es heute sei, das hat er nicht gesagt. Aber ich habe schon die ganze Woche solche Angst gehabt. Meinetwegen kann er ihn verlieren, ich würde ein Gebet sprechen, wenn es nur überstanden wär’ und alles wieder beim alten bliebe, ach wirklich!“
„So hat er es nicht einmal Ihnen gesagt, Mama!“ rief ich aus. „Da sieht man, was für ein Mensch das ist! Da haben wir gleich ein Beispiel seines Hochmuts und seiner Gleichgültigkeit, – was habe ich soeben noch gesagt?“
„Aber wie, womit hat es denn geendet, wie hat man entschieden? Wer hat dir das überhaupt gesagt?“ stieß Tatjana Pawlowna erregt hervor und stürzte sich auf mich. „So sprich doch endlich!“
„Da kommt er ja selbst! Vielleicht wird er was erzählen,“ sagte ich, da ich seine Schritte im Korridor hörte, und setzte mich schnell neben Lisa.
„Bruder, um Gottes willen, schone Mama und sei gegen Andrei Petrowitsch nachsichtig,“ flüsterte mir die Schwester zu.
„Das werde ich, das werde ich, mit diesem Vorsatz bin ich ja heute zurückgekehrt,“ sagte ich und drückte ihr die Hand.
Sie sah mich sehr mißtrauisch an, – und hatte recht.
II.
Er trat ein, sehr zufrieden mit sich, so zufrieden, daß er nicht einmal für nötig befand, seine gehobene Stimmung zu verbergen. Überhaupt hatte er sich gerade in der letzten Zeit vor uns nicht den geringsten Zwang angetan, und das nicht nur in bezug auf seine schlechten, sondern auch in bezug auf seine lächerlichen Seiten, die doch wohl ein jeder etwas ängstlich verbirgt; und dabei wußte er ganz genau, daß wir alles, auch den geringsten Zug, verstanden. Auch sein Äußeres hatte er in diesem letzten Jahr, nach der Behauptung Tatjana Pawlownas, sehr viel weniger gepflegt, das heißt, er war immer gut angezogen, aber seine Kleider waren nicht mehr ganz neu und nicht gesucht elegant. Allerdings muß ich zugeben, daß er, um den Verhältnissen Rechnung zu tragen, schließlich seine Wäsche ganze zwei Tage trug, und nicht mehr nur einen Tag, was meine Mutter sogar sehr betrübte; denn das wurde für ein großes Opfer gehalten, und die ganze Schar der ihm ergebenen Frauen sah darin schlechterdings eine Heldentat. Er trug schwarze, breitkrämpige weiche Hüte. Wenn er in der Tür seinen Hut abnahm, erhob sich auf seinem Kopf ein ganzer Busch von dichtem, aber schon stark ergrautem Haar. Ich liebte es, dieses Aufwogen der Haare zu beobachten, wenn er seinen Hut abnahm.
„Guten Tag; alle beisammen, wie ich sehe, und sogar er ist dabei. Ich hörte seine Stimme schon auf dem Flur; hat sich wohl über mich beklagt, vermutlich.“