„Ach, der Teufel hole sie allesamt; das ist ja doch bloß eine in Jahrhunderten ausgearbeitete Äußerlichkeit; in Wirklichkeit ist es nur Scharlatanerie und Blödsinn.“
„Ah, da sind wir also glücklich angelangt: da ist die Einsiedelei!“ rief Fedor Pawlowitsch. „Die Mauer und die Pforte sind aber geschlossen, wie ich sehe.“
Und er begann, sich eifrig vor den Heiligenbildern zu bekreuzen, die über und zu beiden Seiten der Pforte gemalt waren.
„In ein fremdes Kloster soll man nicht mit seinem Reglement eintreten,“ bemerkte er. „Im ganzen suchen hier in dieser Einsiedelei fünfundzwanzig Heilige ihr Seelenheil, beobachten einander und vertilgen Sauerkohl. Und kein einziges Frauenzimmerchen darf hier durch diese Pforte treten, das ist das Bemerkenswerteste dabei, und das ist wirklich so. Aber, mein Lieber, wie kommt es – ich habe nämlich trotzdem gehört, daß der Staretz auch Damen empfängt?“ damit wandte er sich plötzlich an den Mönch.
„Aus dem Volk sind auch jetzt Weiber hier; sehen Sie dort, sie warten an der Galerie. Für die höheren Damen aber sind hier bei der Galerie, außerhalb der Einfriedung, zwei Zimmerchen angebaut, diese Fenster dort, und der Staretz kommt dann zu ihnen durch den inneren Gang, wenn er gesund ist, also immer außerhalb der Einfriedung. Auch jetzt ist dort eine vornehme Dame, eine Gutsbesitzerin aus dem Charkoffschen, Frau Chochlakoff; sie erwartet ihn mit ihrer gelähmten Tochter. Wahrscheinlich hat er versprochen, zu ihnen hinauszukommen, obgleich er in letzter Zeit so schwach geworden ist, daß er sich kaum noch dem Volk zeigen kann.“
„Also gibt es immerhin doch noch ein Schlupfloch, das aus der Einsiedelei zu den Weibern führt? Das heißt, heiliger Vater, glauben Sie um Gottes willen nicht, daß ich irgend etwas! – ich meinte ja nur so. Wissen Sie, auf dem Athos, Sie haben es vielleicht schon gehört, ist nicht nur der Besuch von Frauen verboten, sondern überhaupt jede Gotteskreatur weiblichen Geschlechts; weder werden dort Hühnchen geduldet, noch Putchen, noch Kälbchen ...“
„Fedor Pawlowitsch, ich werde sofort zurückgehen und Sie allein eintreten lassen! Man wird Sie hier sowieso hinausschmeißen, das prophezeie ich Ihnen!“
„Aber was tue ich Ihnen denn, Pjotr Alexandrowitsch? Sehen Sie doch mal,“ rief er plötzlich, da er durch die Pforte trat, „sehen Sie doch, in welch einem Rosental sie hier leben!“
Tatsächlich waren dort, wenn auch keine Rosen, so doch überall, wo man sie nur hatte pflanzen können, eine Menge seltener und schöner Herbstblumen. Augenscheinlich pflegte sie eine geübte Hand. Blumenbeete lagen zwischen Gräbern, und Blumen wuchsen als Spalier an der Mauer. Das einstöckige Holzhäuschen, in dem sich die Zelle des Staretz befand, war mit seiner Galerie vor dem Eingang gleichfalls von Blumen umgeben.
„War denn das auch beim früheren Staretz Warssonofij so? Der soll ja, wie man sagt, Schönheit überhaupt nicht geliebt haben, soll sogar das schöne Geschlecht mit dem Stock geschlagen haben,“ bemerkte Fedor Pawlowitsch, als er die Stufen hinanstieg.