„Warum bist du gekommen, ehrenwerter Pater? Warum verletzest du den Anstand? Warum bringst du die fromme Herde in Verwirrung?“ fragte er und blickte ihn streng an.
„Wessentwillen ich gekommen bin? Wen fragst du? Wie glaubst du?“ schrie Pater Ferapont, der sich wie ein Einfältiger gebärdete. „Um hier eure Gäste, die unflätigen Teufel, auszutreiben. Ich sehe, daß sich hier ohne mich viele angesammelt haben. Mit einem Birkenquast will ich sie ausfegen!“
„Unreines willst du austreiben, selbst aber dienst du vielleicht dem Unreinen,“ sagte unerschrocken Pater Paissij. „Und wer kann von sich sagen, daß er ‚heilig‘ sei, etwa du, Vater?“
„Aas bin ich, aber kein Heiliger! In den Lehnstuhl setze ich mich nicht, und ich lasse mir nicht Verbeugungen machen wie einem Götzen!“ donnerte Pater Ferapont. „Heutzutage richten die Menschen den heiligen Glauben zugrunde. Der Verstorbene, euer Heiliger dort“ – dabei wandte er sich zur Menge und wies auf den Sarg – „hat die Teufel nicht anerkannt. Nur Abführmittel gab er gegen die Teufel. Die aber haben sich bei euch vermehrt, wie die Spinnen in den Ecken. Er selbst stinkt jetzt. Darin sehen wir einen großen Fingerzeig Gottes!“
Es war in der Tat einmal zu Lebzeiten des Staretz Sossima vorgekommen, daß einem Mönche die unreine Macht zuerst im Traume und später auch im Wachen erschienen war. Als er das voll Entsetzen dem Staretz mitgeteilt hatte, da war ihm von diesem ununterbrochenes Gebet und verstärktes Fasten angeraten worden. Als aber auch das nicht helfen wollte, da hatte der Staretz gesagt, er solle das Fasten und Beten nicht aufgeben, doch außerdem noch eine gewisse Arznei zu sich nehmen. Das hatte bei sehr vielen Ärgernis erregt, und sie hatten untereinander viel darüber gesprochen und die Köpfe geschüttelt, am meisten von ihnen aber war Pater Ferapont, dem einige der Tadler eiligst die in diesem besonderen Falle „außergewöhnliche“ Anordnung des Staretz mitgeteilt hatten, ungehalten gewesen.
„Weiche von hier, Vater!“ sagte befehlend Pater Paissij. „Nicht Menschen können darüber urteilen, nur Gott kann es tun. Vielleicht ist das ein Hinweis, den weder du, noch ich, noch sonst jemand zu begreifen imstande ist. Gehe fort von hier und bringe die Herde nicht in Verwirrung!“ wiederholte er mit fester Stimme.
„Das Fasten hat er nicht eingehalten, das dem Range eines Einsiedlers zukommt, deshalb ist uns dieser ‚Hinweis‘ geworden. Das ist klar und es zu verheimlichen ist Sünde!“ Der aus Rand und Band geratene Fanatiker konnte sich noch immer nicht beruhigen. „Mit Konfekt hat er sich verführen lassen, die Damen haben es ihm in ihren Taschen mitgebracht, süßen Tee hat er geschlürft, seinen Bauch hat er vergöttert, hat ihn mit Süßigkeiten angefüllt, wie seinen Geist mit anmaßenden Gedanken ... Darum hat er den Schimpf erlitten ...“
„Leichtfertig sind deine Worte, Vater!“ sagte mit erhobener Stimme Pater Paissij. „Ich bewundere dein Fasten und deinen Glaubenskampf, doch leichtfertig sind deine Worte, wie ein Jüngling redest du, der in der Welt noch unselbständig ist und von jungem Verstande. Gehe fort von hier, Vater, ich befehle es dir!“ rief drohend zum Schluß Pater Paissij.
„Ich gehe schon!“ murmelte Pater Ferapont einigermaßen verwirrt, doch seine Wut verließ ihn nicht. „Gelehrte seid ihr! Mit eurem hohen Verstande erhebt ihr euch über meine Nichtigkeit. Ich kam hierher mit geringen Kenntnissen, doch jetzt habe ich alles vergessen, was ich gewußt habe, Gott selbst hat mich Geringen vor eurer Gelehrtheit beschützt ...“
Pater Paissij stand festentschlossen dicht vor ihm. Pater Ferapont schwieg, und plötzlich wurde er traurig, stützte die eine Wange in die Hand, betrachtete den Sarg des entschlafenen Staretz und sagte in singendem Tone: