„Hast du es in der Beichte gestanden?“

„Habe gestanden, habe es zweimal gestanden.“

„Hat man dich zum Abendmahl zugelassen?“

„Ja, man ließ mich zu. Ich fürchte mich, fürchte mich, zu sterben.“

„Fürchte nichts, und fürchte dich niemals, und ängstige deine Seele nicht. Wenn nur die Reue in dir nicht verarmt – wird Gott dir alles verzeihen. Gibt es doch keine Sünde, kann es doch auf der ganzen Welt keine so große Sünde geben, die Gott der Herr dem wahrhaft reuigen Sünder nicht verziehe. Und kann doch der Mensch nie und nimmer eine so große Sünde begehen, daß sie die endlose Liebe Gottes ganz erschöpfte. Oder glaubst du, daß es eine Sünde gäbe, die größer wäre als die Liebe Gottes? Trage nur Sorge um die Reue, sei unermüdlich im Bereuen, doch die Angst sollst du von dir scheuchen. Glaube daran, daß Gott dich so liebt, wie du es dir gar nicht denken kannst, daß er dich zusammen mit deiner Sünde und dich in deiner Sünde liebt. Weißt du nicht, daß es geschrieben steht: Über einen reuigen Sünder wird im Himmel mehr Freude sein, als über zehn Gerechte? So geh denn hin und fürchte dich nicht. Laß dich von den Menschen nicht erbittern und ärgere dich nicht über Kränkungen. Dem Verstorbenen vergib im Herzen alles, söhne dich aus mit ihm in Wahrheit. Wenn du bußfertig bist, so liebst du, liebst du aber, so bist du schon Gottes Kind ... Liebe erkauft alles, Liebe rettet alles. Wenn du schon mich, der ich doch ein ebenso sündiger Mensch bin wie du, gerührt hast und ich Mitleid mit dir empfinde, um wieviel mehr wird es dann Gott tun. Die Liebe ist ein so unschätzbarer Schatz, daß du mit ihr die ganze Welt kaufen kannst und nicht nur deine, sondern auch fremde Sünden auskaufst. So gehe jetzt hin in Frieden und fürchte dich nicht.“

Dreimal schlug er das Kreuz über sie, nahm dann von seinem Halse ein kleines Heiligenbild und legte es um ihren Hals. Schweigend neigte sie sich vor ihm bis zur Erde. Er erhob sich, und blickte heiter auf ein gesundes Bauernweib, das ein Brustkind auf den Armen trug.

„Bin aus Wyschegorje, Liebster.“

„Immerhin sechs Werst von hier, hast noch dazu das Kindchen getragen. Was wolltest du?“

„Dich sehen wollte ich; ich bin doch schon früher bei dir gewesen, oder hast du’s vergessen? Dann hast du wohl kein großes Gedächtnis, wenn du mich schon vergessen hast! Die Leute sprachen dort bei uns, daß du krank sein sollst; da dachte ich, wart, werde ich selbst hingehen, sehen, was er macht. Und da sehe ich dich nun; was bist du denn für ein Kranker? Wirst noch zwanzig Jahre leben, wirklich! Gott mit dir! Und als ob du wenig Fürbitter hättest! Wie sollst du denn krank sein?“

„Ich danke dir für alles, Liebe.“