„Nun, Ihr Töchterchen zu lieben, lohnt sich gar nicht. Ich habe sehr wohl gesehen, wie unartig sie die ganze Zeit gewesen ist,“ sagte scherzend der Staretz. „Warum haben Sie die ganze Zeit über Alexei gelacht?“

Lise hatte sich tatsächlich die ganze Zeit nur mit dieser kleinen Spitzbüberei beschäftigt. Sie hatte es schon längst bemerkt, daß Aljoscha verlegen wurde, wenn sie ihn ansah, und daß er sich immer bemühte, sie nicht anzusehen; nun, und das fand sie ungeheuer interessant. Aufmerksam wartete sie und suchte sie, seinen Blick zu erhaschen. Aljoscha aber, der den unverwandt auf ihn gerichteten Blick nicht ertragen konnte, bezwang sich, bezwang sich wieder, und plötzlich, – plötzlich blickte er doch selbst, von einer unbezwingbaren Kraft angezogen, zu ihr hin, worauf Lise ihm natürlich sofort triumphierend ins Gesicht lachte. Aljoscha wurde immer verlegener und ärgerte sich immer mehr über sich selbst. Zu guter Letzt wandte er sich ganz von ihr ab und versteckte sich halbwegs hinter dem Rücken des Staretz. Doch schon nach kurzer Zeit wandte er sich, wieder von dieser unbezwingbaren Kraft angezogen, vorsichtig ein wenig zur Seite, um zu sehen, ob er betrachtet werde oder nicht, und da sah er denn, daß Lise, die sich ganz über die Armlehne ihres Stuhles bog, ihn von der Seite betrachtete und krampfhaft den Augenblick erwartete, da er sich nach ihr umsehen werde; als sie aber dann seinen Blick auffing, lachte sie so lustig auf, daß selbst der Staretz nicht ernst bleiben konnte.

„Sie Unart Sie, warum machen Sie ihn denn so verlegen?“

Lise wurde plötzlich ganz unerwarteterweise feuerrot, ihre Augen blitzten auf, ihr Gesichtchen aber wurde furchtbar ernst, und dann kam es in heißer, unwilliger Klage hastig, erregt aus ihr heraus:

„Ja, aber warum hat er alles vergessen? Er hat mich auf den Armen getragen, als ich klein war, und wir haben zusammen gespielt! Und später hat er mich lesen gelehrt, ist deswegen zu uns gekommen, wissen Sie das auch? Und als er vor zwei Jahren fortfuhr, sagte er noch, er würde nie vergessen, daß wir ewige Freunde sind, ewige, ewige Freunde! Und jetzt fürchtet er mich auf einmal! Werde ich ihn denn beißen oder aufessen? Warum will er nicht zu mir kommen, warum spricht er nicht mit mir? Warum will er nicht zu uns kommen? Oder erlauben Sie es ihm nicht? Wir wissen doch, daß er sonst überall hingeht. Ich kann ihn doch nicht dazu zwingen, er muß von selbst kommen; er hätte selbst daran denken müssen, wenn er es nicht vergessen hat. Nein, er kommt nicht, er sucht jetzt hier sein Seelenheil! Wozu haben Sie ihm diesen langschößigen Lappen angezogen? ... Er wird ja fallen, wenn er läuft ...“

Und plötzlich bedeckte sie das Gesicht mit der Hand und lachte, lachte unbezwingbar, unaufhörlich ihr gezogenes, nervöses, schüttelndes und unhörbares Lachen.

Der Staretz hatte sie lächelnd angehört, und zärtlich segnete er sie; als sie aber darauf seine Hand küssen wollte, preßte sie diese plötzlich an ihre Augen und brach in Tränen aus:

„Seien Sie nicht böse auf mich, ich bin so dumm, bin überhaupt nichts wert ... Aljoscha hat vielleicht recht, ganz recht, wenn er zu einer so Dummen nicht kommen will.“

„Ich werde ihn ganz bestimmt zu Ihnen schicken,“ versprach ihr lächelnd der Staretz.

V.
Und es geschehe also