„Nun, Gott mit ihm, wenn er krank ist. Und du wolltest dich wirklich morgen erschießen, du dummer Junge, und warum nur? Weißt du, gerade solche Unbesonnene, wie du, liebe ich,“ flüsterte sie mit etwas schwerer Zunge. „So würdest du für mich alles tun? Sag? Und wolltest du dich, kleiner Dummkopf, tatsächlich deswegen erschießen? Nein, weißt du, wart damit noch ein wenig, morgen werde ich dir vielleicht etwas Schönes sagen ... nicht heute, nein, morgen. Du aber würdest es wohl gern schon heute hören? Nein, heute will ich nicht ... Nun geh, geh jetzt, freue dich.“
Einmal aber rief sie ihn ganz erschrocken und besorgt zu sich.
„Was hast du? Ich sehe es, daß dich etwas bedrückt. Nein, leugne nicht, ich sehe es, ich kenne dich,“ sagte sie und blickte ihn aufmerksam mit unbeweglich offenen Augen an. „Du küßt dort wohl die Bauern ab und lachst, aber ich sehe trotzdem dieses Etwas. Nein, amüsiere dich lieber, denn ich freue mich, und so sollst du dich gleichfalls freuen ... Einen von denen, die hier sind, habe ich lieb, rat mal, wer das ist? ... Ach, sieh doch: mein Herzensjunge ist eingeschlafen, er hat wohl zu viel getrunken, der Kleine.“
Sie meinte Kalganoff. Der war auf dem Sofa mittlerweile eingenickt. Doch war er nicht vom Weine allein eingeschlafen, sondern er war traurig geworden, oder, wie er sich ausdrückte: es war ihm „langweilig“ geworden. Die Lieder der Dorfmädchen hatten ihn zum Schluß stark herabgestimmt, da sie, in Zusammenwirkung mit den genossenen Getränken, in ein für ihn gar zu Zügelloses und Unzüchtiges ausarteten. Und nicht minder die Tänze: zwei von den Mädels hatten sich als Bären verkleidet, und Stepanida, ein anderes Mädel, ging mit einem Stock voran und spielte den Bärenführer, der die beiden „zeigte“. „Munterer, Maria,“ rief sie, „oder sonst kriegst du Prügel, hier, mit diesem Stock!“ Schließlich purzelten die Bären irgendwie in ganz besonders unanständiger Weise zu Boden, was lautes Gelächter des versammelten, dichtgedrängten Publikums von Männern und Weibern hervorrief. – „Nun, nun, laßt sie doch, laßt sie doch sich amüsieren,“ hatte Gruschenka mit seligem Gesichtsausdruck gesagt, „haben sie auch einmal eine Gelegenheit, sich zu freuen, warum sollen sie es denn nicht tun? Nein, laßt sie, laßt sie, laßt sie sich ihres Lebens freuen.“ Kalganoff aber hatte dreingeschaut, als hätte er sich mit irgend etwas beschmutzt. „Nichts als eine Schweinerei, diese ganzen Volksgeschichten,“ hatte er gemeint und sich zum Sofa zurückgezogen. „Das sollen ihre Frühlingsspiele sein, wenn sie die Sonne die ganze Nacht über hüten!“ Besonders mißfallen hatte ihm ein Liedchen mit einer munteren Tanzweise, das davon erzählte, wie der Herr ausfährt und die Mädchen „probiert“:
Der Herr fuhr aus, die Mädchen zu erproben,
Ob sie lieben oder nicht?
Doch den Mädchen scheint es, daß man den Herrn nicht lieben könne, es hieß:
Der Herr, der wird mich schlagen,
Und ich kann mich dann plagen.
Darauf fährt der Zigeuner aus, doch auch ihn konnte man nicht lieben, denn: