„Ah, Sie werfen einen Stein in meinen Garten, wie man zu sagen pflegt, damit ich es nicht vergesse! Ein schmachvoller, gemeiner Stein ist es, meine Herren! Ich aber fürchte mich nicht! Meine Herren, ich verstehe nicht, wie Sie, Sie mir das ins Gesicht sagen können! Das ist niedrig von Ihnen, niedrig, weil ich selbst Ihnen gesagt habe, daß ich ihn nicht nur erschlagen wollte, sondern sogar erschlagen konnte, und ich habe noch freiwillig gestanden, daß ich ihn beinahe auch wirklich erschlagen hätte! Aber ich habe ihn doch nicht erschlagen! Davor hat mich doch mein Schutzengel bewahrt! – das ist es, was Sie noch nicht bedacht haben ... Und darum ist es niedrig, niedrig von Ihnen! Hören Sie, Herr Staatsanwalt: Ich habe ihn nicht erschlagen!“
Er atmete schwer. Noch war er während des ganzen Verhörs kein einziges Mal so erregt gewesen.
„Aber was hat er Ihnen denn gesagt, der Ssmerdjäkoff?“ fragte er plötzlich auffahrend, nach einem kurzen Schweigen. „Darf ich Sie danach fragen?“
„Durchaus. Sie können uns alles fragen, was den Tatbestand betrifft,“ antwortete der Staatsanwalt mit kalter und strenger Miene, „und wir sind, ich wiederhole es, sogar verpflichtet, auf jede Ihrer Fragen einzugehen. Wir fanden den Diener Ssmerdjäkoff, nach dem Sie sich erkundigen, bewußtlos vor, in einem sehr starken Epilepsieanfall, der sich vielleicht zum zehntenmal wiederholte. Der Arzt, der mit uns gekommen war und den Kranken untersuchte, sagte uns, daß er wahrscheinlich nicht mehr bis zum Morgen leben wird.“
„Nun, dann hat der Teufel den Vater erschlagen!“ entfuhr es Mitjä plötzlich, als hätte er sich sogar bis zu diesem letzten Augenblick noch immer zweifelnd gefragt: „Ist es Ssmerdjäkoff oder nicht Ssmerdjäkoff?“
„Darauf werden wir noch später zurückkommen,“ entschied der Untersuchungsrichter, „würden Sie jetzt nicht Ihre Aussagen fortsetzen wollen.“
Mitjä bat, sich einen Augenblick erholen zu dürfen. Das wurde ihm höflich erlaubt. Nachdem er eine Weile still vor sich hingesonnen hatte, fuhr er fort. Es wurde ihm aber augenscheinlich schwer. Er war abgequält, beleidigt und moralisch erschüttert. Zudem begann der Staatsanwalt – jetzt bereits ganz absichtlich – ihn durch immerwährende „dumme“ Fragen nach den „geringfügigsten Nebensachen“ zu reizen. Kaum hatte Mitjä erzählt, wie er, auf dem Zaune sitzend, Grigorij mit der Mörserkeule auf den Kopf geschlagen hatte, da er von diesem am linken Bein festgehalten worden war, als ihn der Staatsanwalt auch schon unterbrach und ihn bat, genauer zu beschreiben, wie er auf dem Zaun gesessen hatte. Mitjä wunderte sich darüber.
„Herrgott, ich saß oben auf dem Zaun, rittlings, wie man eben auf einem Zaune sitzt: das eine Bein hier, das andere dort ...“
„Und die Mörserkeule?“
„Die Mörserkeule hatte ich in der Hand.“