„Wo dort? Sag, wirst du noch lange bei mir bleiben, kannst du nicht fortgehen?“ rief Iwan verzweifelt aus.

Er gab das Gehen auf, setzte sich wieder auf den gegenüberstehenden Diwan, stützte die Arme auf den Tisch und preßte die Fäuste an die Schläfen. Das nasse Handtuch hatte er sich schon vom Kopf gerissen und gereizt fortgeschleudert: es hatte natürlich nicht geholfen.

„Deine Nerven sind zerrüttet,“ bemerkte der Gentleman in unterhaltend-nonchalanter, doch vollkommen freundschaftlicher Weise, „du ärgerst dich sogar deswegen über mich, weil ich mich habe erkälten können. Indessen geschah es auf die natürlichste Weise. Ich eilte damals gerade zu einer diplomatischen Soiree bei einer höheren Petersburger Dame, die Frau Minister werden wollte. Nun, versteht sich: Frack, weiße Binde, Handschuhe, und dabei befand ich mich noch Gott weiß wo. Kurz, um auf die Erde zu gelangen, stand mir noch bevor, den Raum zu durchfliegen ... das ist natürlich nur ein Augenblick, aber ... braucht doch selbst ein Lichtstrahl von der Sonne bis zur Erde ganze acht Minuten, und da nun, stell dir vor, im Frack und in ausgeschnittener Weste! Allerdings können Geister nicht erfrieren, aber da ich mich nun schon einmal verkörpert hatte, so ... Mit einem Wort, man ist zuweilen leichtsinnig, und ich schoß ab. Aber dort im Weltenraum, in diesem Äther oder Wasser, wenn du willst, – ‚und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste‘ und so weiter – dort herrscht doch solch eine Kälte ... das heißt, was sag ich, Kälte! – das kann man doch überhaupt nicht mehr Kälte nennen – stell dir vor: hundertfünfzig Grad unter Null! Du kennst doch den bekannten Scherz der Dorfmädel: Bei dreißig Grad Kälte fordern sie einen Neuling auf, mit der Zunge über ein Beil zu fahren, die friert natürlich sofort an, und der Tölpel reißt sich die ganze Haut von der Zunge ab. Aber das ist doch bloß bei dreißig Grad, und nun denk dir hundertundfünfzig! Da brauchte man ja nur einen Finger ans Beil zu legen, und, ich denke, er wäre – wie nie gewesen ... wenn ein Beil nur dorthin gelangen könnte ...“

„Kann denn ein Beil dorthin gelangen?“ fragte Iwan Fedorowitsch ganz gedankenlos in der Zerstreutheit.

Er spannte seine ganze Kraft an, um seinen Fiebertraum nicht für Wirklichkeit zu halten und nicht endgültig in Wahnsinn zu verfallen.

„Ein Beil?“ fragte der Gast verwundert.

„Nun ja, was würde dort mit einem Beil geschehen?“ bestand Iwan Fedorowitsch eigensinnig und gereizt auf seiner Frage.

„Was mit einem Beil im Weltenraum geschehen würde? Quelle idée! Wenn es irgendwohin weiter fortgeriete, so, denke ich, würde es alsbald anfangen, etwa in der Gestalt eines Trabanten um die Erde zu kreisen, ohne selbst zu wissen, warum. Die Astronomen würden den Auf- und Untergang des Beiles genau feststellen und alles Weitere berechnen. Man würde es in den Kalender eintragen, und das wäre schließlich alles.“

„Du bist dumm, ganz furchtbar dumm!“ sagte Iwan widerwillig. „Sei doch wenigstens etwas klüger, wenn du faselst, sonst werde ich nicht mehr zuhören. Du willst mich durch Realismus besiegen, willst mich überzeugen, daß du bist. Ich aber will nicht glauben, daß du bist! Und ich werde es auch nicht!“

„Aber ich fasele doch gar nicht, das ist doch alles wahr. Leider pflegt die Wahrheit immer etwas wenig geistreich zu sein. Du erwartest, wie ich sehe, entschieden etwas Großes und vielleicht sogar Wundervolles von mir. Das ist sehr schade, denn ich gebe doch nur das, was ich kann ...“