„Ja, ich habe schon gegessen,“ sagte Aljoscha, der in Wirklichkeit nur ein Stück Brot in der Küche des Priors genossen und Kwas dazu getrunken hatte. „Aber heißen Kaffee würde ich ganz gern trinken.“

„Das ist brav von dir! Er wird Kaffee trinken! Soll man ihn nicht noch schnell heiß machen? Nein, nein, nicht nötig, er kocht ja noch jetzt. Es is’ ’n tadelloser Mokka, Ssmerdjäkoffscher! In Pasteten und Piroggen ist Ssmerdjäkoff ein wahrer Künstler, sag ich dir, richtig: und auch noch in Fischsuppe, das ist wahr. Du mußt einmal unbedingt zu Fischsuppe kommen, melde dich aber vorher an ... Ach! ganz verschwitzt, da fällt mir soeben ein, ich befahl dir doch vorhin, heute noch samt Kissen und Federbetten zu mir überzusiedeln? He–he, hast die Federbetten mitgeschleppt, wie? He–he–he! ...“

„Nein, ich habe sie nicht mitgebracht,“ sagte Aljoscha gleichfalls lächelnd.

„Ah – nun, aber ’nen Schreck hast du doch vorhin bekommen, gesteh’s nur, wie, nicht? Ach du, mein Herzensjunge, wie könnte ich dich nur beleidigen! Weißt du, Iwan, ich kann’s nicht ansehen, wenn er einem so in die Augen blickt und dabei lacht, kann’s wahrhaftig nicht! Mein ganzes Zwerchfell beginnt gleich über ihn zu lachen, ich liebe ihn doch! Aljoschka, laß mich dir meinen väterlichen Segen geben.“

Aljoscha erhob sich, doch Fedor Pawlowitsch hatte sich schon besonnen.

„Nein, nein, nicht jetzt, jetzt werde ich dich nur einmal bekreuzen, so, setz dich. Jetzt gibt’s aber ’nen Heidenspaß, gerade auf dein Thema, wirst dich krank lachen! Bei uns hat endlich einmal Bileams Esel das Maul aufgetan, und wie noch, und wie noch, ach Gott!“

Als Bileams Esel erwies sich der Diener Ssmerdjäkoff. Es war das ein noch ziemlich junger Mann von etwas über vierundzwanzig Jahren. Er war sehr menschenscheu und schweigsam. Doch nicht etwa scheu im gewöhnlichen Sinne oder verschämt, nein, dem Charakter nach war er sogar hochmütig und anmaßend, ja, er schien sogar alle zu verachten. Ich sehe mich veranlaßt, gerade bei dieser Gelegenheit schon einiges über ihn zu sagen. Erzogen hatten ihn Marfa Ignatjewna und Grigorij Wassiljewitsch, doch der Knabe wuchs „ohne jede Dankbarkeit“ auf, wie sich Grigorij über ihn äußerte, als scheues, mißtrauisches Kind. In seiner Kindheit liebte er es sehr, Katzen zu erhängen und sie dann mit großen Zeremonien zu beerdigen. Zu diesem Zweck nahm er sich ein Bettuch um, das wohl das Meßgewand ersetzen sollte, und sang und schwenkte irgend etwas über der toten Katze wie ein Weihrauchfaß. Alles das tat er heimlich, so daß es niemand sehen konnte. Einmal überraschte ihn doch Grigorij bei dieser feierlichen Handlung und bestrafte ihn schmerzhaft. Der Junge schlich sich in die Ecke und schielte von dort eine ganze Weile lang nur mißtrauisch auf seine Erzieher. „Er liebt uns nicht, diese Mißgeburt,“ sagte Grigorij zu Marfa Ignatjewna, „scheint gar niemanden zu lieben. Bist du überhaupt ein Mensch,“ wandte er sich plötzlich an den Jungen, „nein, du, du bist kein Mensch, du bist aus Badstubennässe entsprossen, jetzt weißt du, wer du bist!“ Wie sich später herausstellte, konnte ihm Ssmerdjäkoff diese Worte nie verzeihen. Grigorij brachte ihm das Schreiben und Lesen bei, und als der Knabe zwölf Jahre alt wurde, begann er ihn in biblischer Geschichte zu unterrichten. Doch das gute Vorhaben sollte ein schnelles Ende nehmen. In der zweiten oder dritten Stunde erlaubte sich der Knabe plötzlich zu lächeln.

„Was fehlt dir?“ fragte Grigorij sofort und blickte ihn streng über die große, runde Brille an.

„N–nichts ... Gott der Herr schuf die Welt am ersten Tage, die Sonne aber, den Mond und die Sterne erst am vierten. Wie konnte es dann am ersten Tage Tag sein, wenn es dunkel war?“

Grigorij erstarrte. Der Junge blickte spöttisch seinen Lehrer an. In seinem Blick lag sogar etwas hochmütig Herausforderndes. Das war zu viel für Grigorij.