„Nicht für ’ne halbe Kopeke! Und du wußtest das nicht? Er sagt es doch allen selbst, das heißt, nicht allen, sondern nur allen klugen Leuten, die zu ihm kommen. Dem Gouverneur Schulz hat er ganz offen gesagt: ‚credo, weiß aber selbst nicht, woran.‘“

„Unmöglich!“

„Genau so, sag ich dir. Aber ich achte ihn sehr. Es ist etwas Mephistophelisches in ihm, oder richtiger, etwas aus Lermontoffs ‚Helden unserer Zeit‘ ... Arbenin oder wie der Kerl da heißt ... das heißt, sieh mal, er ist ein Lüstling; er ist dermaßen Lüstling, daß ich auch jetzt noch für meine Tochter zittern würde, oder für meine Frau, wenn sie zu ihm beichten ginge. Weißt du, wenn er davon erzählt ... Einmal, vor drei Jahren, lud er uns zu sich zum Tee ein, Tee mit einem pikfeinen Likörchen (die Damen schicken ihm alles zu), wie er aber dann von den alten Zeiten zu erzählen begann, da haben wir uns nur den Leib gehalten vor Lachen ... Besonders wie er eine Halbgelähmte geheilt hätte. ‚Wenn’s nur meine Füße erlaubten,‘ sagte er, ‚würde ich Ihnen ein gewisses Tänzchen vortanzen‘ ... Nun, wie? Wie findet ihr ihn? ‚Hab in meinem Leben den Leuten nicht wenig blauen Dunst vorgemacht,‘ sagt er. Vom Kaufmann Demidoff hat er sich runde Sechzigtausend eingezogen.“

„Wie, gestohlen?“

„Der brachte sie zu ihm wie zu einem heiligen Menschen: ‚Verwahr sie, morgen ist bei mir Haussuchung.‘ Nun, der verwahrte sie denn auch. ‚Du hast doch,‘ sagt er darauf, ‚die Sechzigtausend für die Kirche gespendet.‘ Sagte ihm: ‚Ein Schuft bist du.‘ ‚Nein,‘ sagt er, ‚bin kein Schuft, bin nur eine weit angelegte Natur‘ ... Übrigens, das war nicht er ... Das war ein anderer. Ich hab sie nur verwechselt ... ohne es selbst zu bemerken. Nun, jetzt noch ein Gläschen und dann Schluß, nimm die Flasche fort, Iwan. Ich habe gelogen, warum hast du mich nicht unterbrochen, Iwan ... und gesagt, daß ich lüge?“

„Ich wußte, daß Sie es selbst sagen würden.“

„Du lügst, das hast du aus Bosheit nicht getan, nur aus Bosheit. Du verachtest mich. Du bist hergekommen zu mir und verachtest mich jetzt in meinem eigenen Hause.“

„Ich werde sehr bald fortfahren; der Kognak ist Ihnen nicht gerade zuträglich.“

„Ich hab dich himmelhoch gebeten, nach Tschermaschnjä zu fahren ... auf ein, zwei Tage, du aber fährst nicht.“

„Morgen, wenn es Ihnen so sehr darum zu tun ist.“