»Ja, Arkascha, ja … Ich habe ja nichts gesagt …« unterbrach ihn Wassja mit tränenerstickter Stimme »Ich habe dir gestern von Julian Mastakowitsch erzählt; du weißt auch selbst, daß er sonst streng und unzugänglich ist; auch dir hat er schon einigemal Rügen erteilt; nun hat er aber gestern mit mir gescherzt, war so gütig zu mir und hat mir sein gutes Herz gezeigt, das er sonst vor allen andern wohlweislich verbirgt …«
»Was folgt daraus, Wassja? Nur daß du deines Glückes durchaus würdig bist.«
»Ach, Arkascha! Wie gerne möchte ich die Arbeit fertig haben … Doch ich werde wohl selbst mein Glück vernichten! Ich habe so eine Vorahnung! … Nein, nicht deswegen,« unterbrach sich Wassja, als er merkte, daß Arkadij nach dem zentnerschweren Papierstoß auf dem Tische schielte: »Das ist ja nur beschriebenes Papier, also nichts … Unsinn! Diese Frage ist ja schon erledigt! Arkascha, ich war heute in der Kolomna-Vorstadt … Ich bin nicht hineingegangen, so schwer und bitter war es mir zumute! Ich stand nur eine Weile vor der Türe. Sie spielte Klavier, und ich hörte draußen zu. Denn siehst du, Arkadij,« fügte er leise hinzu, »ich wagte nicht einzutreten …«
»Höre, Wassja, was hast du? Warum schaust du mich so an?«
»Was? Nichts! Mir schwindelt ein wenig im Kopfe, die Beine zittern mir; das kommt, weil ich die ganze Nacht aufgeblieben bin. Ja! Es ist mir ganz grün vor den Augen. Und hier …«
Er zeigte auf sein Herz und wurde ohnmächtig.
Als er wieder zu sich kam, wollte Arkadij Gewaltmaßregeln ergreifen. Er wollte ihn gewaltsam ins Bett legen. Wassja wollte sich nicht fügen. Er weinte, rang die Hände, wollte sich wieder an die Arbeit machen, um unbedingt noch die zwei Seiten fertig zu schreiben. Um ihn nicht noch mehr aufzuregen, ließ ihn Arkadij an den Schreibtisch gehen.
»Siehst du,« sagte Wassja, während er sich vor seinen Tisch setzte, »siehst du, auch ich habe eine Idee, eine Hoffnung.«
Er lächelte Arkadij zu, und über sein blasses Gesicht schien wirklich etwas wie ein Hoffnungsstrahl zu huschen.
»Ich denke es mir so: ich will ihm übermorgen einen Teil der Arbeit bringen. Und wegen des Restes will ich ihm etwas vorlügen, werde sagen, daß das übrige verbrannt ist, oder feucht geworden, oder daß ich es einfach verloren habe … nun, schließlich, daß ich nicht fertig geworden bin; ich kann ja nicht lügen! Ich will ihm, weißt du, alles erklären und ihm ganz offen sagen, wie sich die Sache verhält … Ich will ihm von meiner Liebe erzählen; er hat ja selbst vor kurzem geheiratet, also wird er mich verstehen! Ich werde das alles natürlich in höchst ehrfurchtsvollem, bescheidenem Tone vorbringen; er wird meine Tränen sehen, und sie werden ihn rühren …«