Manchmal fürchtete er sich vor ihrem Kommen. Sein Herz stand still, und unwillkürlich runzelte er die Brauen, wenn er ihren rosagelben Hut für Augenblicke an seinem Fenster aufleuchten sah. Dennoch erwartete er sie erregt und ungeduldig, und war traurig wenn sie lange nicht gekommen war. Die widersprechendsten Gefühle bewegten ihn, — dunkle, unklare Gefühle, — sie waren sündhaft, denn sie waren frühreif, — und sie waren süß, weil sie sündhaft waren.

Ludmilla war gestern und heute nicht gekommen. Sascha zerquälte sich in Erwartung und hatte schon aufgehört zu hoffen. Da kam sie. Er strahlte; er lief ihr stürmisch entgegen und küßte ihre Hände.

„Wo steckten Sie nur so lange?“ warf er ihr brummig vor, „zwei ganze Tage habe ich Sie nicht gesehen.“

Sie lachte und freute sich. Der süße, matte, würzige Duft japanischer Nelken strömte von ihr aus, als rieselte er aus ihren dunkelblonden Locken.

Ludmilla und Sascha gingen vor die Stadt spazieren. Sie hatten die Kokowkina aufgefordert mitzukommen, — sie wollte nicht.

„Ich alte Frau soll spazieren gehen,“ sagte sie, „mit euch kann ich nicht Schritt halten. Geht allein.“

„Wir werden dumme Streiche machen,“ lachte Ludmilla.

Die Luft war warm, still, erdrückend-zärtlich und erinnerte an Unwiderbringliches. Die Sonne, als wäre sie krank, flammte trübe und purpurn auf dem bleichen, müden Himmel. Welke Blätter lagen starr auf der dunklen Erde, tot ..

Ludmilla und Sascha stiegen abwärts in eine Schlucht. Da war es frisch, kühl, fast feucht, — zärtliche, herbstliche Müdigkeit breitete sich zwischen den schräg abfallenden Hängen.

Ludmilla ging voran. Sie hatte ihr Kleid geschürzt. Man sah ihre kleinen Schuhe und die fleischfarbenen Strümpfe. Sascha blickte zu Boden, um nicht über die Wurzeln zu stolpern, und sah die Strümpfe. Ihm schien es, als hätte sie nur Schuhe an, ohne Strümpfe. Ein heißes Gefühl und Scham wallten in ihm auf. Er wurde über und über rot. Der Kopf schwindelte ihm.