„Sie urteilen sehr hart über die moderne Literatur. Es werden doch auch gute Bücher geschrieben.“

„Die guten Bücher habe ich schon längst gelesen,“ erklärte Peredonoff. „Ich werde doch nicht Sachen lesen, welche eben erst verfaßt worden sind.“

Wolodin blickte voll Ehrfurcht auf Peredonoff. Nadeschda seufzte leicht auf und — es war nichts zu machen — begann zu schwatzen und Klatschgeschichten zu erzählen, so gut es gehen wollte. Obgleich sie diese Gespräche keineswegs liebte, so verstand sie doch als wohlerzogene, junge Dame, die Unterhaltung in Fluß zu halten. Sie langweilte sich entsetzlich, die beiden aber dachten, daß sie ganz besonders liebenswürdig wäre und schrieben das dem berückenden Aeußern Wolodins zu.

Als sie sich verabschiedet hatten und auf der Straße waren, beglückwünschte Peredonoff Wolodin zum Erfolge. Wolodin lachte und hüpfte vor lauter Freude. Schon hatte er all die erhaltenen Körbe vergessen.

„Schlag nicht aus,“ sagte ihm Peredonoff. „Du springst so wie ein junger Bock. Warte nur, du wirst schon mit einer Nase abfahren.“

Das sagte er nur im Scherz, denn er war fest davon überzeugt, daß seine Werbung für Wolodin erfolgreich sein würde.

Die Gruschina war beinahe jeden Tag bei Warwara. Warwara kam noch öfter zu ihr, sodaß sie sich fast garnicht trennten. Warwara regte sich auf und die Gruschina zögerte, versicherte, daß es sehr schwer sei, die Buchstaben genau so nachzuschreiben, bis sie ganz ähnlich würden.

Peredonoff wollte immer nicht den Tag der Trauung bestimmen. Wieder verlangte er, man möge ihm zuerst den Inspektorposten verschaffen. Er hatte es nur zu gut behalten, wie viele heiratslustige Bräute ihn ersehnten und damit drohte er öfters Warwara, gerade so wie im vergangenen Winter.

„Ich gehe sofort, mich trauen lassen. Am Morgen kehre ich mit meiner Frau heim und jage dich zum Teufel. Es ist das letzte Mal, daß du hier über Nacht bleibst.“

Mit diesen Worten ging er ins Restaurant Billard spielen. Manchmal kehrte er abends heim; öfter jedoch zechte er die ganze Nacht durch mit Rutiloff und Wolodin in irgend einer verrufenen Kneipe. In solchen Nächten konnte Warwara nicht schlafen. Nachher hatte sie entsetzliche Migräne. Gut, wenn er um ein oder zwei Uhr in der Nacht nach Hause kam, dann atmete sie erleichtert auf. Wenn er aber erst in den Morgenstunden erschien, so war sie tagsüber ganz krank. Endlich hatte die Gruschina den Brief fertiggestellt und brachte ihn Warwara. Lange prüften sie ihn, verglichen ihn mit einem alten Briefe, welcher tatsächlich von der Fürstin stammte. Die Gruschina versicherte: er ist so täuschend ähnlich, daß nicht einmal die Fürstin ihn für eine Fälschung halten würde. In der Tat war die Aehnlichkeit nur gering, doch Warwara war leichtgläubig. Außerdem war es doch ganz sicher, daß Peredonoff sich ganz unmöglich an die ihm nur wenig bekannten Schriftzüge so deutlich erinnern konnte, um die Fälschung als solche zu erkennen.