Die Übereinstimmung, die sich beim Vergleich zwischen beiden Aufzählungen für so viele Namen ergibt, bezeugt ihre Zuverlässigkeit sowie die sonst wohl auch kaum bezweifelbare Sicherheit des botanischen Begriffs und die Dauerbeständigkeit der jemenischen Pflanzennamen. Abweichungen müssen aus dem Umstande erklärlich sein, daß Forskål’s Itinerar nur im Bereich des Westabfalls des Berglandes die von mir besuchten Stätten berührte, andere Landesteile aber, namentlich die südlichen (Mocha, T'aēs, Ibb) nach Forskål, wenn man von nicht botanischen Reisenden absieht, allein nur, und auch nur teilweise, von Botta und Deflers besucht worden sind.

Meine Jemen-Liste umfaßt 735 Pflanzennamen, die für 463 verschiedene Arten Geltung haben. Meine Gewährsmänner waren wiederholt (namentlich am Gebel Bura und am Gebel Melhan) Kräutersammler von Profession, die Arten und Gattungen wohl auseinander zu halten wußten. Auf den Wochenmärkten des Berglandes sind immer mehrere Verkaufsstände mit Blumen (zum Schmuck der Männer!) und aromatischen Kräutern anzutreffen, die nicht nur aus den Gärten entnommen, sondern auch auf den höchsten Bergen eigens eingesammelt werden. In anderen Fällen habe ich mich an die auf Äckern und in Pflanzungen angetroffenen Landleute gehalten. Statt die zahlreichen Gewährsmänner, stets echte Jemener, die mir oft unter Bekundung von eigenem Interesse und vielem Verständnis zu Gebote standen, mit Namen aufzuführen, habe ich, um die Herkunft der Namengebung zu belegen, nur die Hauptstationen meiner viermonatlichen Reise (1888 bis 89) bei jedem Namen angegeben. Einige an der arabischen Südküste bei Schugra und el-Hhami 1881 verzeichnete wichtige Pflanzennamen habe ich dem Verzeichnisse beigefügt.

Über die Eigentümlichkeiten der Aussprache des Jemendialekts bin ich außerstande philologisch verwertbare Angaben zu machen, ich muß aber hervorheben, daß im Munde der Bewohner des Berglandes von Jemen das arabische gim ج überall wie ein gequetschtes g (gj) klingt.

ZU ABTEILUNG IV.

(Arabische Pflanzennamen aus der Flora von Biskra, nach G. Schweinfurth.)

Meine während zweier Winter und Frühjahre (1901 und 1910), jedesmal vier Monate lang, in der Umgegend von Biskra unternommenen botanischen Ausflüge gaben Gelegenheit, mir die aus dem Munde verschiedener einheimischer Begleiter vernommenen Pflanzennamen oft mehrfach wiederholen und bestätigen zu lassen. Ich habe von den zu 217 verschiedenen Spezies gehörigen arabischen Namen 292 bei den Bewohnern der Oase in Erfahrung gebracht und sie hier transkribiert in alphabetisch geordneten Listen zusammengestellt.

Beim Benutzen meiner Namenliste von Biskra wird auch die von Professor H. Fitting 1912 in der Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft (Bd. LXV, S. 336 bis 348) veröffentlichte Aufzählung von 110 aus derselben Region stammenden arabischen Pflanzennamen zu Rate gezogen werden müssen, da diese zugleich mit arabischer Schrift wiedergegeben ist, dort auch wichtige sprachliche Nachweise und Definitionen enthalten sind, die von Prof. E. Littmann, z.T. auch von Prof. G. Jacob der Arbeit beigefügt wurden. Prof. Fitting hatte die von ihm nach Aussagen eines Arabers vom Stamme der Schrāqa notierten Namen, wie er sagt, „durch einen der arabischen Schrift kundigen Araber, namens Mohhammed-ben-ssa'īd, dem auch die arabischen Pflanzennamen nicht unbekannt waren, nach dem Diktate niederschreiben lassen“; er fügt aber nicht hinzu, ob dies in Gegenwart des ursprünglichen Gewährsmannes und vermittelst wiederholter Aussprache der Namen seitens des Letzteren geschah. Daher mag sich bei der Niederschrift immerhin mancher Fehler eingeschlichen haben, die Umschreibung mithin nicht in allen Fällen zutreffen; denn in diesen Ländern pflegen die Schreibkundigen durch die Bank Städter zu sein, die nur selten ins Freie gelangen. Unter den von Prof. Fitting mitgeteilten 110 Namen stimmen 70 mit den meinigen überein; 29 von ihnen sind dagegen in meiner Liste nicht vorhanden. Von den übrigen erscheinen mir mehrere zweifelhaft.

Die bei den Arabern der Oase übliche Aussprache des gim ج nach Art des französisch j (in je, jamais, jeune = ž) verdient eigens hervorgehoben zu werden. Ich habe den Laut trotzdem, wie in den übrigen Abteilungen, einfach mit unserem g wiedergegeben.

Was die botanische Nomenklatur anbetrifft, so bin ich in dieser und in der folgenden Abteilung derjenigen gefolgt, die Battandier und Trabut in ihrer „Flore analytique et synoptique de l’Algérie et de la Tunisie“ (1910) angenommen haben.

ZU ABTEILUNG V.