Abb. 3. Heronsball (Äolipile).

Abb. 4. Brancas Dampfrad 1629.

Daß bei genauerem Durchsuchen der älteren Literatur immer mehr Schriftsteller gefunden werden, die von fern her in die Geschichte der Dampfmaschine gehören, darf nicht wundernehmen. Sie haben aber meist nur das Verdienst, ein Problem am Einschlafen verhindert zu haben. Ein Salomon de Caus verschwindet unter dieser neueren Betrachtung fast ganz aus der Vorgeschichte der Feuermaschine, nachdem er durch Dokumentenfälscher zu einem Märtyrer der Technik und Forschung geworden war. Was es für eine Bewandtnis mit der Maschine des Engländers David Ramseye hat, der 1630 ein Patent auf die Erfindung nahm, Wasser aus tiefen Gruben durch Feuer zu heben, wissen wir nicht. Ebensowenig ist man sich darüber klar, was es mit der Maschine des Engländers Edward Somerset, Marquis of Worcester, auf sich hat. Dieser tief in die politischen Kämpfe seiner Zeit verwickelte Edelmann kam in der Kerkerhaft dazu, unter hundert angeblich von ihm erfundenen Maschinen und Vorrichtungen auch eine »wunderbare und höchst kraftvolle Art zu erwähnen, Wasser durch Feuer in die Höhe zu treiben.«

Vieles Phantastische in den 1663 veröffentlichten »Hundert Namen und Proben« solcher Erfindungen, die er versucht und vollkommen gemacht zu haben sich rühmt, machten den katholischen Royalisten in den Augen nüchterner Forscher seiner Zeit verdächtig, es mehr auf Geld und Reklame als auf Ehre abgesehen zu haben. Indessen scheint doch der Marquis nur einem verständnislosen Zeitalter gegenüber gestanden zu haben, denn daß die größten Gelehrten ihn verwarfen, darf nicht irremachen; auch in den letzten Menschenaltern haben »größte Gelehrte« gediegenste Erfindungen und Entdeckungen verworfen oder nicht zu würdigen verstanden. Merkwürdig ist noch, daß der 1667 verstorbene unglückliche Marquis sich eines deutschen Mechanikers Kalthof bei seinen Erfindungen bediente; vielleicht war gerade dieser Mechaniker der spiritus rector, wie man denn auch im 19. Jahrhundert Mechanikererfindungen, um ihnen besseren Absatz zu sichern, mit Professorennamen taufte. Gerade das höchst unglückliche Schicksal des Marquis spricht wohl dafür, daß er ein bedeutender Kopf war, der sich bei wirklichen Schwindelabsichten leicht ein besseres Dasein hätte schaffen können.

In einer 1683 erschienenen Schrift über die Hebung von Wasser durch Maschinen schreibt der Engländer Samuel Moorland, das durch die Kraft des Feuers verdampfte Wasser werde sogleich einen zweitausendmal größeren Raum als zuvor einnehmen, so plötzlich, daß es, nach den Gesetzen der Statik regiert und von der Wissenschaft dem Gesetze von Maß, Druck und Gleichgewicht unterworfen, als Dampf seine Last tragen werde, »guten Pferden vergleichbar«.

Wie man sieht, ziehen sich durch das ganze 17. Jahrhundert Versuche hin, Wasser durch Feuer zu heben. Kein Wunder, denn schon im 16. Jahrhundert waren die Schriften Herons von Alexandria wieder im Druck erschienen. Daß man wesentlich über die Künste des Altertums auf diesem Gebiete hinauskam, hing aber nunmehr mit der Forschungstätigkeit Galileis zusammen. Er hat die Gesetze der Bewegung und der Kraftbetätigung mathematisch und durch Versuche festgestellt, hat dem Verstand, der in Anbetung des Aristoteles erstarb, durch Widerlegung der Aristotelischen Weisheit bezüglich des freien Falles wieder Lust und Vertrauen zu sich selber geschaffen, auch bewiesen, daß die Luft Gewicht habe, und sich die Krone des Märtyrers erworben, als er die kopernikanische Lehre vertrat und stützte. Von seinen Bewegungsgesetzen führt eine ununterbrochene Linie zur rasend beschleunigten Bewegung von Gütern, Menschen und Gedanken im 19. Jahrhundert.