Abb. 20. Regulator.

Den Muschelschieber im Dampfverteilungsraum ([Abb. 21]), den wir aus Abbildungen der Dampfmaschine in Schulbüchern kennen, hat Watt nicht selbst erfunden. Dies Verdienst gebührt dem als bedeutenden Erfinder bekannten obersten Betriebsingenieur des Sohoer Werkes: Murdock, der 1779 als einfacher Arbeiter bei Boulton und Watt eintrat. Ein herkulisch gebauter Mann, Sohn eines Mühlenbauers und selber Mühlenbauer, fand Murdock bei Boulton sofort Arbeit, als Boulton darauf aufmerksam wurde, daß Murdock einen Hut eigner Erfindung und Herstellung in der Hand trug. Murdock war in den nächsten Jahren der einzige Arbeiter, auf den man sich immer verlassen konnte. Während die andern, stolz auf ihre Stellung in dem berühmten Werke, sich oft gewaltige Räusche leisteten, kam es Murdock nicht darauf an, Tage und Nächte durchzuarbeiten, um einen Maschinendefekt, eine Betriebsstörung in Ordnung zu bringen. Wo alles nichts mehr half, mußte Murdock kommen. Die Grubenbesitzer in Cornwall, mit deren ungeberdigen Betriebsführern Murdock manchen schweren Handel buchstäblich ausboxte, boten ihm eine große Summe, falls er die Überwachung ihrer Maschinen übernähme. Doch Murdock blieb seiner Firma treu. Er baute 1784 das erste Modell einer Lokomotive mit Benutzung der Wattschen Maschine und im Jahre 1785 die erste Dampfmaschine mit schwingendem Zylinder. Auch führte er zuerst in der Fabrik von Soho und in andern Birminghamer Betrieben die Gasbeleuchtung ein. Als er später zum Schutze seiner Erfinderehre von einer Parlamentskommission vernommen wurde, meinte einer der weisen Politiker, Murdock versuche doch zuviel zu beweisen, wenn er sich anheischig mache, ein Licht ohne Docht zu liefern. Auch die Erfindung des D-Schiebers, aus dem sich der Muschelschieber als Dampfverteilungsorgan entwickelte, war Murdocks Verdienst. Er hat viele Jahre lang das Werk in Soho als erster Ingenieur geleitet, eine schlichte, markige, vorbildliche Persönlichkeit, eine würdige Gestalt neben Boulton und Watt.

Abb. 21. Muschelschieber im Dampfverteilungsraum. Die Abbildungen veranschaulichen gleichzeitig die Bewegung des Kolbens unter dem Druck des Dampfes.

Watt baute nur sogenannte Niederdruckmaschinen, in denen höchstens 1¼ Atmosphärendruck verwendet wurde. Den Typus von Maschinen mit höheren Dampfspannungen stellt Abbildung [22] dar.

Abb. 22. Hochdruckmaschine, wie sie erst nach Watt gebaut wurde, vertikale Einzylindermaschine. E Dampfweg vom Kessel nach dem Dampfverteilungsbehälter oder Schieberkasten K, zwischen E und K die Drosselklappe. A Dampfzylinder, e und d lassen den Dampf ein und aus, der entweichende Dampf geht durch g und r ins Freie. B Kolben, R Kreuzkopf, P Pleuel- (oder Kurbelstange), Q Kurbelzapfen, f Exzenterscheibe, auf der durch Q gedrehten Welle sitzend, die auch das Schwungrad x dreht, die Exzenterscheibe bewegt den Dampfschieber in K auf und ab; h a v Regulator, hochgehendes h hebt b und dreht die Drosselklappe zwischen K und E. c Exzenterscheibe, betätigt Speisepumpe o, die den Dampfkessel mit Wasser versorgt.