Abb. 137. Blumen und Obst.
Abb. 138. Anna Boleyn. Lithographie. Verlag von Fritz Gurlitt, Berlin. (Zu [Seite 116].)
Abb. 139. Im Harem. Radierung. Verlag von Fritz Gurlitt, Berlin.
Technisch sind diese Bilder das Ergebnis eines langen und vielseitigen Künstlerlebens. Sie sind es aber auch ([Abb. 114] u. fg.), die heute nachfolgender Jugend voranleuchten und die von keinem der Jüngeren malerisch überholt werden.
Man kann im übrigen diese Betrachtungen nicht schließen, ohne auch noch der kleineren Tatsachen zu gedenken, die den Aufstieg dieses Lebens rein äußerlich begleiten. Daß ein Künstler wie Corinth, der nie der Mode die geringste Konzession gemacht und unbeirrt durch Anerkennung oder Mißerfolg seinen Weg mit der ihm eingeborenen Überzeugungstreue gegangen ist, in dem offiziellen Deutschland der letzten kaiserlichen Zeit ohne jene äußeren Ehrungen geblieben ist, die den damaligen Lieblingen in so reichem Maße zuteil geworden sind, ist selbstverständlich. Aber die Sezession, die Jahre hindurch die entscheidenden Werke des Künstlers auf ihren Ausstellungen gezeigt, hat 1912 ihrem alten Kampfgenossen und Führer eine große Gesamtausstellung seiner Werke in den alten schönen Räumen am Kurfürstendamm bereitet, und es kann gesagt werden, daß vielleicht erst durch diese Ausstellung Corinths wirkliche Stellung im Rahmen der modernen deutschen Kunst weiten Kreisen entscheidend nahegebracht worden ist. Als sich dann später die Sezession in zwei Gruppen schied, ist Corinth als Führer der eigentlichen Stammgruppe Präsident der Sezession geworden, die ihn schon vor der Spaltung 1911 zum Führer berufen hatte. Dies Amt bekleidet er nun schon seit Jahren, und wenn gerade diese Sezession heute noch einen entscheidenden Faktor im Kunstleben der Reichshauptstadt darstellt, so ist das nicht zuletzt das Verdienst ihres Präsidenten, der beizeiten auch dem talentvollen jungen Nachwuchs Tor und Tür geöffnet hat. In einer Zeit aber, wo man sich in Deutschland über diese starke Persönlichkeit noch sehr im unklaren war, hat das Ausland mehrfach das Werk des Meisters ausgezeichnet, indem es ihm, wie auf der letzten großen Internationalen in Amsterdam, die große goldene Medaille verlieh. Die Revolution hat dann auch die Widerstände, die bis dahin in dem offiziellen Berlin gegen ihn bestanden, mit einem Schlage beseitigt, und reichlich spät ist ihm endlich auch der Professortitel verliehen worden, über den sich Corinth selbst wie ein Kind gefreut hat, weil er die Tatsache im Sinne später aber ausgleichender Gerechtigkeit empfand. Auch seine engere ostpreußische Heimat hat sich inzwischen laut und freudig zu ihm bekannt und sich ihres sechzigjährigen Sohnes erinnert, indem ihn seine Vaterstadt Tapiau zum Ehrenbürger ernannte und die philosophische Fakultät der Universität Königsberg ihm den Dr. h. c. verlieh.
Mag heute auch noch Corinths Ruhm auf Deutschland selbst und die angrenzenden Länder beschränkt sein, einmal kommt der Tag, wo das Werk des Meisters auch in den Gesichtskreis der internationalen Welt eintritt, und dann wird man vielleicht sogar jenseits des Ozeans erkennen, daß nicht nur das deutsche Kunstschaffen dieser Zeit, sondern mehr noch die europäische Kunst unserer Epoche in Corinth einen ihrer vollwertigsten Repräsentanten und Meister besessen hat.
Abb. 140. Der Künstler mit dem Tod. Radierung.
Verlag von Fritz Gurlitt, Berlin.